Diabetologie und Stoffwechsel 2014; 9 - P289
DOI: 10.1055/s-0034-1375146

Ist ein erhöhter HbA1c-Wert bei Diabetes mellitus Typ 2 nur ein EPI-Phänomen?

S Jacob 1, 2, E Vondracek 1, 2, B Weger 3, W Renn 1, 2
  • 1Kardio-Metabolisches Institut, Villingen, Germany
  • 2Universität Tübingen, Endokrinologie, Tübingen, Germany
  • 3Servier Deutschland GmbH, München, Germany

Die Epidemiologie zeigt bei Menschen mit Typ 2 Diabetes (DM 2) eine klare Assoziation zwischen HbA1c und kardiovaskulärer (KV) Ereignisrate, sowohl für makro- als auch mikro-vaskuläre Komplikationen. Bedauerlicherweise haben alle Studien, die auf eine Senkung des HbA1c focussiert waren, keine Reduktion der KVn Ereignisse durch bessere Stoffwechseleinstellung gezeigt. Es ist denkbar, dass durch das verbesserte Blutdruck- und Lipide-Management die glykämische Kontrolle eine weniger relevante Rolle spielt.

„Dennoch“ finden aktuellen KVn-Endpunktstudien (z.B. SAVOR) nach wie vor eine Abhängigkeit der KV-Komplikationsrate vom Ausgangs HbA1c.

Fragestellung: Um zu sehen, ob erhöhten HbA1c-Werte eher ein generell schlechteres kardio-metabolisches (KM) Risikomanagement (RM) widerspiegeln, analysierten wir Daten des T2Day2.0-Screenings, bei der 2011 in deutschen Praxen 4434 Patienten bzgl. ihres KMRM erhoben wurden.

Methodik Die Gruppen wurden aufgrund des HbA1C in sehr gute (< 6,5% N = 1084), gute (6,5 – 7,0% N = 1109) und schlechte Stoffwechseleinstellung (> 7,0% N = 1297) unterteilt. Alle KM RF Unterschiede wurden mithilfe einer Varianzanalyse getestet.

Ergebnis: Bei vergleichbarem Alter zeigen DM 2 in Abhängigkeit der Stoffwechseleinstellung signifikant schlechtere Werte für BMI [29,4/30,0/31,4 kg/m2], Taillenumfang [102,9/103,4/106,8 cm], RRsystolisch [134,0/135,0/137,2 mmHg], RRdiastolisch [78,5/79,2/80,3 mmHg], LDL-Cholesterin [122,2/124,3/128,4 mg/dl], HDL-Cholesterin [53,9/52,3/51,3 mg/dl], Triglyceride [157,3/168,8/184,2 mg/dl], Diabetesdauer [6,8/8,6/10,5 Jahre] und Hypertoniedauer [10,5/10,9/12,0 Jahre].

Schlussfolgerung: Menschen mit schlechter Stoffwechselkontrolle weisen neben dem erhöhten HbA1c auch ein signifikant schlechteres KMRM auf. Somit muss man sich fragen, ob die erhöhte KV-Komplikationsrate gar nicht wegen der schlechteren Blutzuckerkontrolle, sondern vielmehr wegen des allgemein schlechten KMRM so erhöht ist und ob daher eine rein Glukose zentrierte Intervention überhaupt eine Chance auf Verbesserung der Prognose dieser Patienten bringen.

T2Day2.0-Screening ist eine Aktion unterstützt durch SERVIER Deutschland GmbH, München