Gastroenterologie up2date 2014; 10(03): 159-170
DOI: 10.1055/s-0034-1377490
Darm/Anorektum
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Vaskuläre Komplikationen im Darmtrakt

Florian Kühn
,
Ernst Klar
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Publication History

Publication Date:
04 September 2014 (online)

Kernaussagen

Epidemiologie und Mortalität

  • Eine AMI betrifft nur ca. 1 % aller Patienten mit „akutem Abdomen“. Bei über 70-Jährigen ist eine AMI jedoch in bis zu 10 % ursächlich.

  • Die Mortalität der AMI liegt bei 50 – 70 % und ist seit Jahrzehnten trotz Verbesserungen in diagnostischen, interventionellen und chirurgischen Techniken unverändert hoch. Der wichtigste prognostische Faktor bleibt das Zeitintervall bis zur Einleitung der Therapie.

Klinische Präsentation

  • Die akute mesenteriale Ischämie beginnt aus Wohlbefinden mit einem akuten, messerstichartigen Abdominalschmerz, der 3 – 6 Stunden später in ein schmerzfreies Intervall übergeht. Ohne Therapie entwickelt sich nach 12 Stunden eine Durchwanderungsperitonitis.

  • Die akute mesenteriale Thrombose besitzt meistens über mehrere Wochen Prodromi in Form einer Angina abdominalis.

  • Die nichtokklusive mesenteriale Ischämie präsentiert sich als „unklares Abdomen“ bei Patienten mit charakteristischem Gesamtprofil.

  • Die venöse Thrombose der mesenterikoportalen Achse ist gegenüber der arteriellen Perfusionsstörung von der klinischen Beschwerdesymptomatik häufig maskiert mit Präsentation des Patienten erst einige Tage nach dem Initialereignis. Nur wenige Patienten entwickeln eine operationspflichtige Peritonitis. Häufig kommt es zur spontanen Symptomfreiheit.

Diagnostik

  • Fokussierte Anamnese, Erkennen prädisponierender Faktoren und die klinische Untersuchung müssen die Weichen stellen, um eine zeitsparende und effiziente Diagnostik einzuleiten!

  • Die biphasische Kontrastmittel-CT ist das Diagnostikum der ersten Wahl zum Nachweis eines arteriellen oder venösen Gefäßverschlusses. Zeitverlust durch nicht zielführende Zusatzdiagnostik muss verhindert werden!

Therapie

  • Bei zentraler Embolie der A. mesenterica superior oder bei Zeichen einer Peritonitis erfolgt die chirurgische Therapie.

  • Bei zentraler AMS-Thrombose werden die zugrunde liegenden Wandveränderungen interventionell-radiologisch durch lokale Lyse demaskiert und mittels Stent kontrolliert.

  • Bei Verdacht auf eine nichtokklusive mesenteriale Ischämie sollte die Katheterangiografie mit intraarterieller Applikation von Vasodilatatoren erfolgen. Ist aufgrund einer Peritonitis primär eine Darmresektion nötig, muss die intraarterielle Vasodilatation auch postoperativ erfolgen.

  • Die Pfortaderthrombose sollte interventionell radiologisch mittels einer transhepatischen Katheterlyse behandelt werden. Die Indikation besteht auch bei spontaner Rückbildung der Symptome, um Spätkomplikationen der portalen Hypertension zu verhindern.