Gastroenterologie up2date 2014; 10(03): 203-215
DOI: 10.1055/s-0034-1377691
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Operative Therapie der Adipositas

Rudolf A. Weiner
,
Christine Stier
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Publikationsverlauf

Publikationsdatum:
04. September 2014 (online)

Einleitung

Epidemiologie. Übergewicht und Adipositas verbreiten sich weltweit epidemieartig. „Globesity“ ist international ein neuer Begriff geworden. Etwa 250 Mio. Menschen der Weltbevölkerung sind inzwischen übergewichtig oder adipös. Dabei steigt nicht nur das Durchschnittsgewicht der Bevölkerung in industrialisierten Ländern, sondern gerade auch in Schwellenländern nimmt in den letzten Jahrzehnten das Problem von Übergewicht und Adipositas rasant zu.

Adipositaschirurgie. Die operative Behandlung der krankhaften Adipositas hat sich weltweit als eine anerkannte Teildisziplin der Chirurgie etabliert. Hintergrund ist das Versagen konservativer Therapieansätze im Langzeitverlauf bei Patienten mit extremem Übergewicht. Bei BMI ≥ 40 kg/m2 oder BMI ≥ 35 kg/m2 und erheblichen Komorbiditäten (z. B. Diabetes mellitus Typ 2) ist die Indikation für einen adipositaschirurgischen Eingriff gegeben, wenn die konservativen Behandlungsmöglichkeiten erschöpft sind [1]. Die Erweiterung der Operationsindikation auf metabolische Erkrankungen hat weltweit gerade begonnen.

Adipositaschirurgie ist eine Hochrisikochirurgie, unabhängig von der Verfahrenstechnik, da Adipöse eine weitaus höhere Morbidität als Normalgewichtige aufweisen, die zudem multifaktoriell verursacht ist.

Minimalinvasive Techniken. Mit der Einführung der laparoskopischen Operationstechniken (MIC: minimalinvasive Chirurgie) konnten die postoperative Morbidität und Mortalität in der Viszeralchirurgie im Vergleich zur „offenen“ Ära der Laparotomie allgemein deutlich gesenkt werden. Insgesamt trug die Einführung der MIC ganz wesentlich zu einer weiteren Verbreitung der Adipositaschirurgie bei, die nun eine größere Akzeptanz bei den betroffenen Patienten findet. Laparoskopische Techniken gelten bei primären Eingriffen zur Gewichtsreduktion heute als Standard. Weitere Minimierung der Zugänge durch „Single-Port-Technologie“ und NOTES konnten sich nicht durchsetzen. Roboterassistierte Eingriffe haben in einzelnen Zentren Eingang gefunden.

Symptomatische Therapie. Grundsätzlich muss man bei der Betrachtung der operativen Verfahren berücksichtigen, dass es keine kausale Behandlung der Adipositas gibt. Mit der Chirurgie wird das Symptom Übergewicht behandelt, jedoch nicht die Krankheit Adipositas. Die vielfältigen Wirkungen auf Komorbiditäten sind jedoch nicht allein auf die Gewichtsreduktion zurückzuführen, sondern werden durch zusätzliche Effekte erzielt. Alle chirurgischen Verfahren sind insgesamt den konservativen Ansätzen in Hinsicht auf Effektivität und Erfolgsrate weit überlegen.