Pädiatrie up2date 2014; 09(04): 323-340
DOI: 10.1055/s-0034-1377754
Intensivmedizin/Neonatologie
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Ernährung von sehr unreifen Frühgeborenen

Teil II: Nach primärer stationärer Behandlung
Antonia Nomayo
,
Frank Jochum
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Publication Date:
25 November 2014 (online)

Fazit

Die hier vorgenommene Systematisierung der Ernährungssituation von Frühgeborenen zum Ende der primären stationären Behandlung kann dazu beitragen, Frühgeborene mit einem besonderen Ernährungsbedarf zu identifizieren und eine geeignete Ernährungstherapie bereits vor Entlassung festzulegen.

Dazu ist aber nicht nur die Zuordnung zu einer der hier beschriebenen Szenarien notwendig, sondern jeweils eine umfassende individuelle Einschätzung der Ernährungssituation unter Einbeziehung des Behandlungsverlaufs. Bei Frühgeborenen, die eine besondere Ernährung auch nach der stationären Therapie benötigen, sind neben dem Ernährungsregime auch Dauer und Monitoring zusammen mit dem Arzt, der die ambulante Behandlung übernimmt, individuell festzulegen bzw. zu kommunizieren. Ein differenziertes Vorgehen mit regelmäßigen Verlaufsbeobachtungen ist Fundament für den Erfolg einer Ernährungsintervention, auch bei ambulanter Therapieführung.

Neue wissenschaftliche Studien deuten darauf hin, dass die Ernährung in den ersten 1000 Tagen nach Konzeption für die aktuelle aber auch langfristige gesunde Entwicklung des Feten, Früh- oder Reifgeborenen erheblichen Stellenwert hat. Neben kurzfristigen Effekten sind zurzeit besonders die langfristigen Wirkungen frühkindlicher Ernährung im Fokus der wissenschaftlichen Betrachtung – wie z. B. der Einfluss auf die neurologische Entwicklung oder Programmierungseffekte, die die Inzidenz von sog. Volkskrankheiten mit volkswirtschaftlicher Relevanz möglicherweise maßgeblich beeinflussen können, wie z. B. Übergewicht, Adipositas, Diabetes, bestimmten neoplastischen Erkrankungen usw.

Zusätzliche Erkenntnisse in diesem sich schnell entwickelnden Bereich können nachhaltige Perspektiven für Individuum und Gesellschaft eröffnen und dazu beitragen, die Inzidenz von sog. „Zivilisationskrankheiten“ zu senken und das Gesundheitssystem ökonomisch zu entlasten. Dazu sind aber langfristig angelegte nachhaltige Forschungsvorhaben notwendig.

Wie im ersten Teil dieses Beitrags bereits ausgeführt: Bedarfsgerechte, individuell angepasste, klinische Ernährung ist nicht nur für Früh- und Mangelgeborene ein gutes Investment in ihre Gesundheit, sondern auch ein Beitrag zur Sicherung der zukünftigen Finanzierung der Gesundheitsversorgung unserer Gesellschaft.