Radiologie up2date 2014; 14(03): 211-235
DOI: 10.1055/s-0034-1377784
Pädiatrische Radiologie
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Frakturen beim Kind

Fractures in childhood
J. D. Moritz
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Publication Date:
15 September 2014 (online)

Zusammenfassung

Die klinische Diagnostik von Frakturen im Kindesalter kann sehr schwierig sein. Daher kommt der Bildgebung nicht nur mit Röntgenaufnahmen, sondern auch mit Ultraschall, CT und MRT besondere Bedeutung zu. Durch das Vorhandensein von Epiphysenfugen und die hohe Elastizität der Knochen finden sich typische kindliche Frakturformen. Frakturen können zwar schneller heilen und Fehlstellungen besser ausgeglichen werden, andererseits können aber auch Wachstumsstörungen auftreten. Im zweiten Teil der Arbeit werden die speziellen Frakturformen beschrieben mit besonderem Augenmerk auf die Charakteristika im Kindesalter.

Abstract

Clinical diagnosis of fractures in childhood can be very difficult. Therefore imaging, not only x-rays but also ultrasound, computed tomography and magnetic resonance imaging are of special importance. There are typical pediatric types of fractures due to epiphyseal plates and high flexibility of the bone. Fractures heal faster and dislocations can be spontaneously corrected better but also growth disturbance can occur. The second part of the article describes the special types of fractures with special attention to the characteristics in childhood.

Kernaussagen
  • Der Ultraschall ist in der Diagnostik kindlicher Frakturen genauso sensitiv wie Röntgenaufnahmen. Allerdings ist die Dokumentation der Befunde schwieriger. Sofern es die Klinik erlaubt, sollte die MRT gegenüber der CT als Schnittbildverfahren bevorzugt in der Frakturdiagnostik bei Kindern eingesetzt werden.

  • Typische kindliche Frakturformen sind der Wulstbruch, die Grünholzfraktur, die Biegungsfraktur und Frakturen mit Beteiligung der Epiphysenfugen. Frakturen heilen bei Kindern im Vergleich zu Erwachsenen schneller und Fehlstellungen können in Abhängigkeit von der Frakturlokalisation in höherem Ausmaß spontan korrigiert werden.

  • Kalottenfrakturen können sonografisch sicher diagnostiziert werden, das Anfertigen von Röntgenaufnahmen ist obsolet.

  • An der oberen Extremität finden sich Frakturen besonders häufig im Bereich des Ellenbogens und am distalen Unterarm. Sicher diagnostiziert werden müssen der primäre und sekundäre Rotationsfehler bei suprakondylären Humerusfrakturen, die sekundäre Dislokation bei kompletten, primär nicht dislozierten Frakturen des Condylus radialis und die Radiusköpfchenluxation. Die „Subluxation“ des Radiusköpfchens („Chassaignac“) ist nur klinisch zu diagnostizieren. Bei Grünholzfrakturen des Unterarmschafts besteht die Gefahr der Refraktur.

  • Frakturen der Wirbelsäule, des knöchernen Thorax und des Beckens sind selten. Insbesondere bei Rippenfrakturen muss eine Kindesmisshandlung ausgeschlossen werden.

  • Bei Frakturen der unteren Extremität ist besonders häufig der Unterschenkel betroffen. Bei metaphysären Biegungsfrakturen der proximalen Tibia in Valgusstellung kommt es durch Wachstumsstimulation in der benachbarten Epiphysenfuge zu einer Verstärkung des Genu valgum. An der distalen Tibia treten neben Fugenschaftfrakturen (Aitken I) Frakturen des Malleolus medialis (Aitken II und III) auf. Mit Beginn der knöchernen Durchbauung der Epiphysenfuge finden sich sog. Übergangsfrakturen. Bei Distorsionstraumata des oberen Sprunggelenks kommt es meist zu ossären, chondralen und periostalen Ausrissen der Bänder, selten zur Bandruptur.