Gastroenterologie up2date 2015; 11(04): 305-322
DOI: 10.1055/s-0034-1393330
Ösophagus/Magen/Duodenum
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Parenterale und enterale Ernährung – Update 2015

Mathias Plauth
,
Melanie Wäsch
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Publication History

Publication Date:
02 December 2015 (online)

Indikationen und Behandlungsziele

Die parenterale und die enterale Ernährung werden dann benötigt, wenn ein Mensch infolge seiner Erkrankung nicht mehr in der Lage ist, sich auf natürlichem Wege ausreichend zu ernähren.

Mangelernährung. Das therapeutische Ziel liegt darin, das Auftreten einer Mangelernährung zu verhindern bzw. eine bereits eingetretene Mangelernährung zu beseitigen.

Mangelernährung ist ein subakuter oder chronischer Zustand, der aus der Kombination von unterschiedlichen Graden von Unter- oder Überernährung und einer Entzündungsaktivität resultiert und zu einer abnormen Körperzusammensetzung und gestörten Organfunktion geführt hat [1].

Mangelernährung verschlechtert Autonomie und Lebensqualität sowie die Prognose der Patienten bei allen diesbezüglich untersuchten Krankheiten als ein unabhängiger Risikofaktor; sie erhöht den Ressourcenverbrauch und die Behandlungsdauer. Mangelernährung betrifft 25 % aller Krankenhauspatienten und in weitaus höherem Maße ältere Menschen [2].

Therapieziel. Idealerweise soll dem kranken Organismus exakt die Menge an Makro- und Mikronährstoffen zugeführt werden, die er aktuell benötigt und auch verwerten kann. Als Makronährstoffe werden die quantitativ überwiegenden Nahrungsbestandteile Eiweiß bzw. Aminosäuren, Kohlenhydrate und Fette bezeichnet und so von den als Mikronährstoffe benannten Vitaminen und Spurenelementen abgegrenzt. Die Überversorgung mit Makronährstoffen („Hyperalimentation“) führt zu einer nicht benötigten Anlage von Energiespeichern in Form von Glykogen- und Fettdepots und ist mit einer Reihe von metabolischen Nachteilen verbunden (Hyperglykämie, Insulinresistenz, Hyperlipidämie, Hyperthermie, erhöhter O2-Verbrauch u. a. m.).

Krankheitsphasengerechter Nährstoffbedarf. Eine Überversorgung kann auch eintreten, wenn eine „bedarfsgerechte“ – also auf physiologische Verhältnisse beim Gesunden bemessene – Ernährung bei Kranken verordnet wird. In den ersten Stunden nach Trauma („ebb phase“) oder im schweren Schock können Patienten nur einen Bruchteil der für physiologische Verhältnisse „bedarfsgerecht“ bemessenen Ernährung verwerten. In solchen Situationen muss die Zufuhr an parenteraler oder enteraler Ernährung entsprechend den vorherrschenden metabolischen Verhältnissen zurückgenommen werden. Die beste Orientierung über den aktuellen Energieverbrauch liefert die indirekte Kalorimetrie durch Messung von Sauerstoffaufnahme und Kohlendioxidproduktion [3].

Dem Organismus soll idealerweise genau die aktuell benötigte Menge an Makro- und Mikronährstoffen zugeführt werden, die in der jeweiligen Situation verwertet werden kann.

Leitlinien. Von der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin (DGEM; www.dgem.de) und der European Society for Clinical Nutrition and Metabolism (ESPEN; www.espen.org) wurde ein umfassendes Leitlinienwerk für die parenterale und die enterale Ernährung erarbeitet, das auf den Internetportalen der Gesellschaften frei zugänglich ist.