Aktuelle Kardiologie 2015; 4(3): 160-168
DOI: 10.1055/s-0035-1546008
Übersichtsarbeit
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Ist die Herztransplantation auch 2015 noch der therapeutische Goldstandard bei terminaler Herzinsuffizienz?

Heart Transplantation: Still Therapeutic Gold Standard for Patients with Advanced Heart Failure?
U. Boeken
Kardiovaskuläre Chirurgie, Universitätsklinik Düsseldorf
,
A. Lichtenberg
Kardiovaskuläre Chirurgie, Universitätsklinik Düsseldorf
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Publication Date:
15 June 2015 (online)

Zusammenfassung

Auch nach Einführung des neuen Transplantationsgesetzes nimmt die Zahl der Herztransplantationen in Deutschland weiterhin ab, wogegen die Quantität und Qualität der mechanischen Kreislaufunterstützung (MKU) mittels ventrikulärer Assist-Devices stetig zunimmt. War in der Anfangszeit die MKU primär eine Überbrückung bis zur HTX, so stellt sie heute in mindestens der Hälfte der Anwendungen die endgültige Therapie für den Patienten dar (destination therapy). Dennoch existieren auch 2015 bei allen Verbesserungen noch gravierende Probleme mit den vorhandenen Systemen. Hier sind vor allem hämorrhagisch- oder ischämisch-bedingte neurologische Komplikationen ebenso wie Infektionen im Bereich der sog. „driveline“ zu nennen. Nicht zuletzt aufgrund vielfältiger Weiterentwicklungen im Bereich der immunsuppressiven Therapie nach HTX ist das Outcome bez. Mortalität und Morbidität deutlich verbessert worden. Das 1-Jahres-Überleben nach HTX liegt derzeit bei etwa 80 %, das 5-Jahres-Überleben bei 70 %. Zur weiteren Verbesserung der Ergebnisse in Deutschland ist kurzfristig die Einführung des „cardiac allocation score“ geplant, der dann das System der HU-Allokation ablöst und die Erfolgschancen nach HTX bei der Allokation besser abbildet. Aktuell leben viele Patienten mehr als 15 Jahre ohne größere Komplikationen mit dem Spenderorgan, sodass die HTX auch heute in Zeiten immer besserer Herzunterstützungssysteme immer noch den Goldstandard der chirurgischen Behandlung der terminalen Herzinsuffizienz darstellt.

Abstract

The number of heart transplantations (htx) in Germany is still decreasing whereas mechanical circulatory support with ventricular assist devices (VAD) gains in importance. Initially designed as a bridge to transplantation, nowadays assist devices are applied as “destination therapy” in approximately 50 % of the patients. Despite significant improvements of the devices, serious complications still have to be considered. Neurologic events and “driveline”-infections represent the most common problems of VAD-patients. Particularly further improvements of immunosuppressive therapy improved patientsʼ outcome with regard to mortality and morbidity after heart transplantation. 1-year-survival after htx is approximately 80 %, 5-year-survival just about 70 %. To further improve the results, the implementation of a “cardiac allocation score” shall replace the currently applied HU-system that ignores the presumed postoperative outcome. Nowadays many patients do not suffer from serious complications for more than 15 years after htx. Despite continuously enhanced ventricular assist devices, heart transplantation still has to be considered as gold standard of surgical therapy in patients with advanced heart failure.