Laryngorhinootologie 2016; 95(05): 332-335
DOI: 10.1055/s-0035-1559679
Originalie
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Effekt der mikrochirurgischen Entfernung von Vestibularisschwannomen auf das Schmeckvermögen

Impact of Microsurgical Exstirpation of Vestibular Schwannomas on the Sense of Taste
P. Boeßert
1  HNO-Heilkunde, Universitätsmedizin Mainz, Mainz
5  Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde, Kopf- Hals-Chirurgie, AMEOS Klinikum Haldensleben, Haldensleben
,
J. M. Hempel
2  Diagnostische und Interventionelle Neuroradiologie, Eberhard Karls Universität Tübingen, Tübingen
,
R. van Ewijk
3  Statistik und Ökonometrie, Johannes Gutenberg Universität Mainz, Mainz
,
W. J. Mann
4  Römerwallklinik, Mainz
,
B. R. Haxel
5  Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde, Kopf- Hals-Chirurgie, AMEOS Klinikum Haldensleben, Haldensleben
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Publication History

eingereicht 17 June 2015

akzeptiert 29 July 2015

Publication Date:
28 October 2015 (online)

Zusammenfassung

Patienten mit Vestibularisschwannom berichten neben den bekannten Kardinalsymptomen auch über Schmeckstörungen. Wenig ist bisher zu diesem Symptom bei dieser Patientengruppe bekannt. Ziel dieser Untersuchung war es, den Einfluss der operativen Therapie auf das Schmeckvermögen mit Hilfe eines standardisierten Schmecktests prospektiv zu untersuchen. Dafür wurde das Schmeckvermögen mit den Schmeckstreifen vor und nach der Operation eines VS untersucht und die Ergebnisse statistisch ausgewertet. 25 Patienten konnten in die Untersuchung eingeschlossen werden. Es zeigte sich im Mittel eine statistisch signifikante, postoperative Abnahme der Schmeckwerte sowohl auf der Tumor- als auch der gesunden Seite. Die Mittelwerte der Differenzen der Schmeckwerte auf der gesunden und der Tumorseite waren auf der Tumorseite nicht statistisch signifikant geringer. Kein Patient beklagte postoperativ eine Ageusie. Bei rund einem Viertel der Patienten trat postoperativ eine neue Schmeckwertseitendifferenz von größer als 3 auf, die nur durch die Operation erklärt werden kann. Dabei war der Schmeckwert im Mittel auf der operierten Seite um 6,2 geringer als vor dem Eingriff. In dieser Subgruppe war der subtemporale Zugang häufiger vertreten als in der Gesamtgruppe. Es konnte gezeigt werden, dass bei einem Teil der Operierten (24%) der Schmeckwert postoperativ klinisch auffällig geringer war als vor dem Eingriff. In dieser Subgruppe ergeben sich erste Hinweise, dass die Schmeckwertänderung vom gewählten Zugang und damit von der Lage des Tumors abhängig sein könnte. Diese Beobachtung sollte an einem größeren Kollektiv reproduziert werden.

Abstract

Patients with single sided vestibular schwannoma may report about a taste dysfunction apart from the well known cardinal symptoms. Very few data are published so far on that topic. The aim of this study was to investigate the influence of microsurgery for vestibular schwannomas on taste perception prospectively using a well validated taste test. 25 patients could be included in the study. No ageusia was claimed by the patients. In average a decrease of the taste score postoperatively could be detected on the tumor as well as on the non treated side. The differences were not statistically significant. But a subgroup of ¼ of the subjects revealed a new onset of side difference in the taste score that was not present before surgery. In all those cases the treated side showed a clinically significant reduced taste score of 6,2 in average. Within this subgroup the temporal access was overpresented in contrast to the whole group. This may indicate an influence of the choosen approach and that for the position of the tumor to the change of the taste score. The observations should be verified on a greater collective.