Pneumologie 2017; 71(S 01): S1-S125
DOI: 10.1055/s-0037-1598318
Posterbegehung – Sektion Intensiv- und Beatmungsmedizin
Pneumologische Intensivmedizin – Ute Achtzehn/Chemnitz, Jens Geiseler/Marl
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Enterale Ernährung in Bauchlage bei Patienten mit ARDS

C Burdelski
1  Klinik für Intensivmedizin, Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf
,
G de Heer
1  Klinik für Intensivmedizin, Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf
,
E Backer
1  Klinik für Intensivmedizin, Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf
,
S Kluge
1  Klinik für Intensivmedizin, Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf
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Publication History

Publication Date:
23 February 2017 (online)

 

Hintergrund:

Das ARDS (Acute Respiratory Disstress Syndrome) ist ein herausforderndes Krankheitsbild. Neben der intensivmedizinischen Standardtherapie wie lungenprotektive Beatmung, maximale antiinfektive Therapie, zielgerichtetes Volumenmanagement etc. hat auch die regelmäßige Bauchlagerung („prone positioning“) der Patienten Einzug in das Behandlungskonzept gehalten. Enterale Ernährung gehört bekanntermaßen zu den primären Behandlungszielen von Intensivpatienten. In der täglichen Praxis wird eine enterale Ernährung in Bauchlage aus Angst vor Aspiration oft nicht durchgeführt. In dieser Arbeit soll evaluiert werden, ob enterale Ernährung bei Intensivpatienten in Bauchlage sicher durchführbar ist und ob diese einen Einfluss auf das Outcome hat.

Methodik:

Es erfolgte eine retrospektive Datenerhebung und statistische Datenanalyse von Patienten, die in der Klinik für Intensivmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, aufgrund eines ARDS eine Bauchlagerung erhalten hatten.

Ergebnisse:

Insgesamt wurden 216 Patienten identifiziert, die zur Therapie eines ARDS in Bauchlage überführt wurden. Im Mittel wurden 2 Bauchlagezyklen mit 16h Dauer durchgeführt. Alle 216 untersuchten Patienten hatten eine Ernährungssonde. 138 (64%) Patienten wurden enteral ernährt. Eine prokinetische Therapie wurde bei 59 Patienten (27%) durchgeführt. Das mittlere gastrale Residualvolumen betrug 100 ml. Vomitus trat bei 9 Patienten auf, unabhängig von enteraler oder parenteraler Ernährung. 130 (60%) Patienten des Kollektivs verstarben auf der Intensivstation. Enterale/parenterale Ernährung zeigte in der statistischen Analyse keinen Einfluss auf die Mortalität.

Schlussfolgerung:

Alle Patienten in Bauchlage sollten mit einer Ernährungssonde ausgestattet sein. Erbrechen tritt nur in seltensten Fällen auf. Ein negativer Einfluss enteraler Ernährung in Bauchlage wurde nicht nachgewiesen. Somit ist die enterale Ernährung in Bauchlage sicher durchführbar und führte nicht zu einer erhöhten Mortalität.