Pneumologie 2017; 71(S 01): S1-S125
DOI: 10.1055/s-0037-1598402
Posterbegehung – Sektion Kardiorespiratorische Interaktion
Herz – Gefäße – Lunge: Interaktionen und Kasuistiken – Hans-Jürgen Seyfarth/Leipzig, Jörg Friedrich/Heidelberg
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Interferon beta-1b assoziierte pulmonal-arterielle Hypertonie – ein Fallbericht

M Lerche
1  Abteilung für Pneumologie, Department Innere Medizin, Neurologie und Dermatologie, Universitätsklinikum Leipzig AöR
,
H Wirtz
2  Abteilung für Pneumologie, Universitätsklinikum Leipzig AöR
,
F Then Berg
3  Klinik und Poliklinik für Neurologie, Universitätsklinikum Leipzig AöR
,
HJ Seyfarth
2  Abteilung für Pneumologie, Universitätsklinikum Leipzig AöR
› Author Affiliations
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Publication History

Publication Date:
23 February 2017 (online)

 

Einleitung:

Eine seltene Form der pulmonal-arteriellen Hypertonie ist die medikamenten-assoziierte pulmonal-arterielle Hypertonie, die möglicherweise auch durch Interferone ausgelöst werden kann. Aufgrund ihrer antiviralen und immunmodulatorischen Wirkung kommen sie unter anderem in der Hepatitis und Multiple Sklerose Therapie zur Anwendung. Der Zusammenhang von Interferon-alpha und pulmonal-arterieller Hypertonie ist bereits mehrfach berichtet worden, für Interferon beta liegen bisher nur wenige Fallberichte vor.

Fallbericht:

Wir berichten über eine 53-jährige Patientin, die 2008 an einer schubförmig verlaufenden Multiplen Sklerose erkrankte. Unter Basistherapie mit Interferon beta-1b blieb die Erkrankung stabil. Sieben Jahre nach Therapiebeginn wurde die Patientin auf Grund einer Rechtsherzdekompensation symptomatisch: nach Ausschluss aller Differentialdiagnosen wurde die Diagnose einer medikamentös-assoziierten pulmonal-arteriellen Hypertonie gestellt. Die Interferon-Therapie wurde zunächst beendet. Drei Monate nach Absetzen der Medikation erfolgte eine invasive Reevaluation der Hämodynamik, die einen progredienten pulmonal-arteriellen Hypertonus zeigte. Daraufhin erhielt die Patientin entsprechend den aktuellen Empfehlungen der Leitlinie eine vasodilatative Kombinationstherapie mit Macicentan und Sildenafil.

Ergebnisse:

Vier Monate nach Therapiebeginn zeigt die Patientin keine Zeichen der Rechtsherzdekompensation. Die kardiale Funktion hat sich, ablesbar am NT- pro BNP (Abfall um 1270 ng/l), deutlich gebessert. Die Besserung der körperlichen Belastbarkeit bildet sich im 6-Minuten-Gehtest in einer Zunahme der Gehstrecke um 60 Meter und einem verminderten Belastungsempfinden (Borg 0) ab.