Pneumologie 2017; 71(S 01): S1-S125
DOI: 10.1055/s-0037-1598488
Posterbegehung – Sektion Infektiologie und Tuberkulose
Posterbegehung pneumologische Infektiologie – Sebastian R. Ott/Bern, Jessica Rademacher/Hannover
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Vom Tumorverdacht zur Bronchustuberkulose

D Herziger
1  Fachklinik für Pneumologie, Thoraxchirurgie und Allergologie, Johanniter-Krankenhaus im Fläming GmbH
,
R Krügel
1  Fachklinik für Pneumologie, Thoraxchirurgie und Allergologie, Johanniter-Krankenhaus im Fläming GmbH
,
R Roßdeutscher
2  Radiologische Abteilung, Johanniter-Krankenhaus Im Fläming GmbH
,
T Mairinger
3  Institut für Gewebediagnostik, Mvz am Helios Klinikum Emil von Behring
,
R Tech
4  Mvz für Labormedizin, Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie, Gemeinschaftslabor Cottbus am Johanniter-Krankenhaus im Fläming GmbH
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Publication History

Publication Date:
23 February 2017 (online)

 

Einleitung:

Wir berichten über 4 Patienten (3 Männer, 1 Frau), bei denen im Jahr 2015 eine Bronchustuberkulose diagnostiziert wurde. Aufgrund der Anamnese, der klinischen Symptome und der ambulanten unklaren radiologischen Befunde erfolgte die Aufnahme wegen Verdacht auf Bronchialkarzinom.

Ergebnisse:

Das mittlere Alter lag bei 72 Jahren. Relevante Vorerkrankungen waren nicht bekannt. Im Verlauf wurde bei einem Patienten eine HIV-Infektion gesichert. Alle Patienten berichteten trotz vorangegangener Antibiose über einen persistierenden Husten und gefärbten Auswurf. Radiologisch auffällig waren neben einer Oberlappenatelektase links infiltrative Veränderungen, insbesondere im linken Mittelgeschoß. Im CT-Thorax zeigten sich in 2 Fällen mediastinale Lymphknotenvergrößerungen.

Die endobronchialen Befunde waren gekennzeichnet durch eine lokale Schleimhautrötung mit unregelmäßiger Schleimhautschwellung und Engstellung sowie teilweise durch eitrig-fibrinösen Schleimhautbeläge. Trotz tumorverdächtiger endobronchialer Befunde erfolgte zusätzliche eine Tuberkulosediagnostik.

Im Bronchialsekret waren mikroskopisch säurefesten Stäbchen nachweisbar. Bei allen Patienten gelang der kulturelle Nachweis von Mycobakterium tuberkulosis-Komplex nach 5 – 6 Tagen. Es lagen keine Resistenzen gegenüber den Erstrangmedikamenten vor. Passend dazu zeigten die histologischen Befunde der Bronchialschleimhaut eine granulomatöse bzw. epitheloidzellige Entzündung, zum Teil mit zentral verkäsenden Nekrosen.

Unter der Standardtherapie mit INH, RMP, PZA und EMB war nach 6-monatiger Behandlung bei den Nicht-HIV Patienten radiologisch eine vollständige Ausheilung erreicht. Bei 2 Patienten konnte im Verlauf auch die endoskopische Abheilung dokumentiert werden.

Schlussfolgerung:

Eine Bronchustuberkulose sollte bei unklaren endobronchialen Schleimhautveränderungen differentialdiagnostisch ausgeschlossen werden.

Es empfiehlt sich nach Abschluss der Tuberkulosetherapie eine Kontrollbronchoskopie zum Ausschluss von Spätkomplikationen durchzuführen.