Pneumologie 2017; 71(S 01): S1-S125
DOI: 10.1055/s-0037-1598521
Posterbegehung – Sektion Arbeitsmedizin, Epidemiologie, Umwelt- und Sozialmedizin
Allergisches Asthma bronchiale – berufsbedingt? Phänotyp des Lungenemphysems – Frank Hoffmeyer/Bochum, Cordula Bittner/Hamburg
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Asthma bronchiale als Berufskrankheit infolge einer Nahrungsmittelallergie bei einem madagassischen Koch

C Bittner
1  Zentralinstitut für Arbeitsmedizin und Maritime Medizin; Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
,
AM Preisser
1  Zentralinstitut für Arbeitsmedizin und Maritime Medizin; Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
,
V Harth
1  Zentralinstitut für Arbeitsmedizin und Maritime Medizin; Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
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Publication History

Publication Date:
23 February 2017 (online)

 

Einleitung:

Nahrungsmittelallergien können sich in gastrointestinalen, aber auch in Haut- und Atemwegsbeschwerden äußern. Im Folgenden wird erstmals über einen Patienten berichtet, bei dem infolge einer berufsbedingten Nahrungsmittelallergie eine obstruktive Atemwegserkrankung im Sinne einer Berufskrankheit der Nummer 4301 BKV entstanden ist.

Material:

Zur Begutachtung stellte sich ein 28-jähriger, seit 19 Jahren in Deutschland lebender madagassischer Koch vor. Anamnestisch beklagte er arbeitsplatzabhängige Diarrhoen und Kurzatmigkeit einige Minuten nach dem Abschmecken von kuhmilch- und weizen- bzw. roggenmehlhaltigen Nahrungsmitteln sowie rezidivierende Hautausschläge, weswegen die Tätigkeit als Koch einige Monate zuvor aufgegeben wurde. Außerberuflich ernährt sich der Koch traditionell madagassisch, d.h. verzehrt keine Kuhmilch/-produkte, an Getreiden ausschließlich Reis und Mais/-mehlprodukte.

Ergebnisse:

Nach einer oralen Provokation mit Kuhmilch und Joghurt sank die FEV1 um mehr als 20% ab, der sRt stieg um mehr als das Doppelte auf 2,5 kPa*s an. Der Patient klagte über Bauchkrämpfe, Konjunktivitis und Fließschnupfen. Nach Gabe von Salbutamol und 50 mg Prednisolon p.o. waren die Beschwerden stabil rückläufig. Zwei Wochen später stellte sich der Patient erneut mit einer, Atemwegsobstruktion (FEV1 66%, sRt = 2,62 kPa*s) sowie einer disseminierten atopischen Dematitis dar. Im Blutbild fand sich eine Eosinophilie (928 c/µl; 16,4%); das Gesamt-IgE lag bei 5000 kU/l. Spezifische IgE gegen Kuhmilch, Weizen- und Roggenmehl, Ei und Nüsse waren erhöht (CAP-Klasse 2 bis 4).

Schlussfolgerungen:

Als Koch in einem à-la-Carte-Restaurant hat der Patient milch- und getreidehaltige Produkte bis zu 200 Mal pro Arbeitsschicht abgeschmeckt. Da er aufgrund seiner traditionell madagassischen Ernährungsweise vor Berufsaufnahme diese Nahrungsmittel gemieden hatte, sind wir von einer beruflichen Verursachung der vorliegenden Nahrungsmittelallergien ausgegangen und haben die Anerkennung einer BK 4301 (und auch BK 5101) BKV empfohlen.