Suchttherapie 2017; 18(S 01): S1-S72
DOI: 10.1055/s-0037-1604511
Symposien
S-03 Internetsucht = Internetsucht? Spezifika und Gemeinsamkeiten verschiedener Formen internetbezogener Störungen
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Fear of missing out und Internetnutzungserwartungen als Determinanten einer Internet-communication disorder

E Wegmann
1  Universität Duisburg-Essen, Allgemeine Psychologie: Kognition & Center for Behavioral Addiction Research (CeBAR)
,
U Oberst
2  Ramon Llull University Barcelona, Spanien
,
B Stodt
1  Universität Duisburg-Essen, Allgemeine Psychologie: Kognition & Center for Behavioral Addiction Research (CeBAR)
,
M Brand
1  Universität Duisburg-Essen, Allgemeine Psychologie: Kognition & Center for Behavioral Addiction Research (CeBAR)
3  Erwin L. Hahn Institute for Magnetic Resonance Imaging, Essen
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Publication History

Publication Date:
08 August 2017 (online)

 

Einleitung:

Soziale Netzwerke und Messenger gehören zu den am meist genutzten Online-Anwendungen. Sie erlauben es, Nutzerinnen und Nutzern mit Freunden in Kontakt zu bleiben und Inhalte zu teilen. Nichtsdestotrotz gibt es eine steigende Anzahl an Personen, die aufgrund ihrer exzessiven Nutzung einen Kontrollverlust erleben und negative Konsequenzen erfahren. Diese pathologische Verhaltensweise kann – angelehnt an die Internet-gaming disorder im DSM-5 – als Internet-communication disorder bezeichnet werden. Vermehrt wird davon ausgegangen, dass kognitive Mechanismen wie die Internetnutzungserwartungen oder die Angst, online etwas zu verpassen, eine exzessive Nutzung der verschiedenen Online-Kommunikationsanwendungen begünstigen.

Methodik:

In einer Onlinestudie beantworteten 270 Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Alter von 17 bis 39 Jahren eine für Internet-communication disorder modifizerte Version des short Internet Addiction Tests (Wegmann et al., 2015), die Internet-Use-Expectancies Scale (Brand et al., 2014) sowie den um einen Faktor erweiterten Fear of Missing Out Questionnaire (Przybylski et., 2013).

Ergebnisse:

In einem Strukturgleichungsmodell wird gezeigt, dass psychopathologische Symptome wie Depressivität und Unsicherheit im Sozialkontakt einen signifikanten Prädiktor bei der Angst, etwas zu verpassen, und der Erwartung, im Internet vor negativen Emotionen flüchten zu können, darstellen. Diese spezifischen Kognitionen mediieren außerdem den Zusammenhang zwischen psychopathologischer Symptombelastung und der Tendenz einer Internet-communication disorder.

Schlussfolgerung:

Die Ergebnisse stützen Annahmen des theoretischen Prozessmodells spezifischer Internet-use disorders (I-PACE Modell) von Brand et al. (2016). Es wird davon ausgegangen, dass Internetbezogene kognitive Tendenzen den Zusammenhang zwischen Personenmerkmalen und einer Internet-communication disorder mediieren. Zukünftige Studien sollten soziale Aspekte und die Angst, etwas zu verpassen, als spezifische Prädisposition genauso wie als Kognition im Online-Kontext untersuchen.