Suchttherapie 2017; 18(S 01): S1-S72
DOI: 10.1055/s-0037-1604512
Symposien
S-03 Internetsucht = Internetsucht? Spezifika und Gemeinsamkeiten verschiedener Formen internetbezogener Störungen
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Stabilität von Internetabhängigkeit

D Brandt
1  Universität zu Lübeck, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie
,
S Glanert
1  Universität zu Lübeck, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie
,
G Bischof
1  Universität zu Lübeck, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie
,
HJ Rumpf
1  Universität zu Lübeck, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie
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Publication History

Publication Date:
08 August 2017 (online)

 

Einleitung:

Bislang ist unklar, ob es sich bei Internetabhängigkeit um ein langfristig stabiles Merkmal handelt. Empirische Untersuchungen liegen lediglich für die Computerspielabhängigkeit und überwiegend in Querschnittsuntersuchungen vor. Neben der Stabilität der Symptomatik sollen zudem mögliche prädiktive Variablen für den Verlauf der Symptomatik der Internetabhängigkeit ermittelt werden.

Methodik:

Eine Stichprobe von 128 Berufsschüler (M Alter = 19,46; SD Alter = 3,3) wurde in zwei telefonischen Interviews im Abstand von 5 bis 12 Monaten (M = 9,07; SD = 1,59) befragt. Erfasst wurden die neun in der DSM-5 Diagnose „Internet Gaming Disorder“ aufgeführten Kriterien, verallgemeinert auf alle Anwendungsformen des Internets. Weiterhin erhoben wurden diverse personengebundene, sozialisations- und umweltgebundene Einflussfaktoren sowie bestehende Beeinträchtigungen. Die Stabilität des Merkmals Internetabhängigkeit wurde mithilfe einer linearen Regressionsanalyse ermittelt. Weitere univariate Regressionsanalysen sollten Aufschluss über prädiktive Faktoren für das Ausmaß der Symptomveränderung geben.

Ergebnisse:

Die erhobenen Daten zeigen ein ausgewogenes Verhältnis von stabilen und remittierten Diagnosen. 56% der Probanden remittieren zwischen den beiden Erhebungszeitpunkten, wohingegen 44% eine Stabilität der Symptomatik aufwiesen. Es stellen sich keine der erhobenen Einflussfaktoren als statistisch signifikant für die Vorhersage der Symtomveränderung heraus. Eine mögliche Ursache für die fehlende Signifikanz von Prädiktoren kann in der Stichprobengröße gesehen werden.

Schlussfolgerung:

Die Ergebnisse deuten auf eine gewisse zeitliche Stabilität der Internetabhängigkeit hin, jedoch können keine signifikanten Prädiktoren für die Entwicklung der Symptomatik betitelt werden. Es wären größer angelegte Längsschnittstudien zur weiteren Abklärung notwendig.