Suchttherapie 2017; 18(S 01): S1-S72
DOI: 10.1055/s-0037-1604538
Symposien
S-09 Ansätze für eine verbesserte Tabakprävention und -behandlung – Symposium des WAT e.V.
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

IRIS – Ansätze für die Weiterentwicklung einer Beratungsplattform für Schwangere

A Batra
1  Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie Tübingen, Sektion Suchtforschung und Suchtmedizin
,
A Stiegler
1  Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie Tübingen, Sektion Suchtforschung und Suchtmedizin
,
L Bieber
1  Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie Tübingen, Sektion Suchtforschung und Suchtmedizin
,
S Kern
1  Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie Tübingen, Sektion Suchtforschung und Suchtmedizin
,
KU Petersen
1  Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie Tübingen, Sektion Suchtforschung und Suchtmedizin
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Publication History

Publication Date:
08 August 2017 (online)

 

Einleitung:

Der Konsum von Tabak oder Alkohol während der Schwangerschaft kann zu erheblichen körperlichen und psychischen Beeinträchtigungen beim Kind führen. Dennoch ändern nicht alle Schwangeren ihre Konsumgewohnheiten. Mangelnde Aufklärung, motivationale Schwierigkeiten, fehlende soziale Unterstützung, die individuelle Funktionalität des Konsums oder Zugangsbarrieren zu Hilfsangeboten bzw. mangelnde Eignung der Hilfen könnten mögliche Ursachen sein. Im Zuge aktueller gesundheitspolitischer Bemühungen zur Prävention alkohol- und tabakassoziierter Folgeschäden bei speziellen Risikogruppen wie Schwangeren ist der Einsatz moderner Medien für eine bessere Erreichbarkeit der Zielgruppe zu prüfen. Zu diesem Zweck wurde IRIS – eine Beratungsplattform für alkohol- und tabakkonsumierende Schwangere geschaffen.

Methodik:

IRIS bietet drei 12-wöchige Programme (für Tabak, Alkohol- und kombinierten Konsum). Die kontrollierte, randomisierte Studie sollte der Frage nachgehen, ob eine Beratungsplattform, die zusätzlich durch einen Experten moderiert wird (sog. E-Coaching), eine höhere Compliance und Abstinenzquote der beratenen Schwangeren als eine Variante ohne E-Coach zur Folge hat und welche Verbesserungspotentiale aufgrund der Rückmeldungen und des Nutzungsverhaltens der Teilnehmerinnen zu sehen sind.

Ergebnisse:

Den ersten Auswertungen zufolge scheint das Internet ein vielversprechendes Medium zu sein, um Alkohol- oder Tabakkonsumierende Schwangere für eine substanzbezogene Online-Beratung gewinnen zu können. Erreicht werden v.a. Raucherinnen, sodass in die gelungene Ansprache der Alkoholkonsumentinnen weitere Anstrengungen gelegt werden müssen. Die meisten Teilnehmerinnen waren im Tabakprogramm zu verzeichnen (85%), gefolgt vom Kombiprogramm (12,2%). Dem Alkoholprogramm wurden 2,8% zugeordnet. Hauptzugangsweg auf die Plattform war für knapp die Hälfte (48,1%) aller Nutzerinnen das Internet (Verlinkungen, Internetsuche, Facebook), weitere 27,8% wurden durch Ärzte und Hebammen angesprochen. Die E-Coach-Gruppe ist insgesamt zufriedener mit der Anwendbarkeit und dem Behandlungsangebot insgesamt. Schwangeren kann der Konsumstopp mithilfe eines Online-Programms gelingen.

Schlussfolgerung:

Das E-Coaching scheint zu einem erfolgreichen Verzicht beizutragen. Weitere Optimierungen der Beratungs- und Behandlungsplattform IRIS und der angebotenen Inhalte auf Basis der Rückmeldung der Schwangeren sind geplant.