Suchttherapie 2017; 18(S 01): S1-S72
DOI: 10.1055/s-0037-1604555
Symposien
S-14 Förderung von professioneller Gesundheitskompetenz als Präventionsstrategie in Pflege- und Gesundheitsberufen
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

KRIPS – Kurzintervention in der Raucherberatung als Modul in der Pflegeausbildung

C Rustler
1  Deutsches Netz Rauchfreier Krankenhäuser & Gesundheitseinrichtungen DNRfK e.V.
,
A Bühler
2  Hochschule für Angewandte Wissenschaften Kempten – Fakultät Soziales und Gesundheit
,
M Bonse-Rohmann
3  Hochschule Hannover – Fakultät V: Abteilung Pflege und Gesundheit
,
K Vitzthum
4  Vivantes Klinikum Neukölln, Berlin
,
M Pforr
5  Universität Tübingen – Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie
,
K Schulze
6  Forschungsinstitut für Bildungs- und Sozialökonomie Berlin
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Publication History

Publication Date:
08 August 2017 (online)

 

Einleitung:

Die Empfehlung zum Rauchstopp gehört zu den wichtigsten und kosteneffizientesten Interventionen im Gesundheitswesen. Pflegeberufe haben nach dem WHO-Rahmenübereinkommen zur Eindämmung des Tabakgebrauchs (FCTC) eine Schlüsselrolle in Prävention, Beratung und Tabakentwöhnung. In Deutschland wird diese Rolle kaum wahrgenommen, was auch in der hohen Raucherprävalenz der Pflegenden selbst begründet sein kann. Die Förderung der Beratungskompetenz im Programm „astra plus Gesundheitskompetenz – Rauchfrei in der Pflege“ stellt daher einen wichtigen Beitrag zur Umsetzung des nationalen Gesundheitsziels „Tabakkonsum reduzieren“ dar. Der Beitrag beantwortet die Fragen: Wie wird das Modul zur Förderung von Beratungskompetenz von SchülerInnen wahrgenommen und bewertet? Können Veränderungen hinsichtlich des Wissens über Raucherberatung, der Bereitschaft zur Raucherberatung und der Selbstwirksamkeit, Raucherberatung durchzuführen, beobachtet werden?

Methodik:

Mit Empfehlung von Expertinnen aus der Tabakprävention und Pflegewissenschaft wurde das Unterrichtsmodul „KRIPS“ zur Kurzberatung entwickelt. Konzepte zur Kurzintervention wurden für die Pflegeausbildung angepasst und an zwei Schulen mit erfahrenen TrainerInnen getestet. Die Inhalte wurden in zwei Unterrichtseinheiten und einer Übung für den stationären Praxiseinsatz konzipiert. Zur Evaluation wurden die Teilnehmenden (n = 27) vor und nach dem ersten Schulblock sowie nach Ende des zweiten Schulblocks befragt und die Daten längsschnittlich ausgewertet.

Ergebnisse:

Die bisherigen Ergebnisse zeigen, dass die Ziele des Moduls soweit erreicht werden konnten. Das Modul wurde in der ersten Durchführung jedoch sehr unterschiedlich wahrgenommen. Aussagen zur Weiterempfehlung verteilen sich über die gesamte Skala, wobei sich 50% der SchülerInnen dafür aussprechen und ca. 25% (eher) nicht. Die Einschätzung zum Wissen über Tabakentwöhnung und die unterschiedlichen Strategien der Raucherberatung und -entwöhnung nimmt jedoch stark zu. Die Bereitschaft, KRIPS anzuwenden, nimmt etwas zu und die Einschätzung der Kompetenz, dieses zu tun, ist größer als zu Beginn des Moduls. Inwiefern der erste Transfer in die Praxis erfolgreich war, lässt sich derzeit noch nicht beantworten.

Schlussfolgerung:

Bedeutsam war, ein realistisches und bewältigbares Ziel für die SchülerInnen zu bestimmen, da sie nicht alle Aufgaben von qualifizierten RaucherberaterInnen übernehmen können bzw. darin aufgrund fehlender Routine in der Praxis keine Modelle vorfinden. Sinnvoll erschien es, die Intervention auf Ansprache, Anamnese des Rauchverhaltens und Aufhörmotivation, Information über Hilfsangebote, Dokumentation des Gesprächs sowie der Übergabe an pflegerische oder ärztliche Verantwortliche zu reduzieren. Erforderlich wird sein, Fortbildungen für Lehrpersonen und Praxisanleitungen anzubieten, um die Vermittlung von KRIPS in die Lernorte bzw. Settings der Pflegeausbildung fachgerecht und anwendungsbezogen zu implementieren.