Suchttherapie 2017; 18(S 01): S1-S72
DOI: 10.1055/s-0037-1604573
Symposien
S-19 Faktoren für die Entwicklung und soziale Auswirkungen von Glücksspielsucht
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Die Rolle von Emotionsregulation bei Glücksspielverhalten und glücksspielbezogenen Problemen: Ergebnisse aus der MIGUEL Studie

S Orlowski
1  Universität Lübeck, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie
,
A Bischof
1  Universität Lübeck, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie
,
B Besser
1  Universität Lübeck, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie
,
G Bischof
1  Universität Lübeck, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie
,
HJ Rumpf
1  Universität Lübeck, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie
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Publikationsverlauf

Publikationsdatum:
08. August 2017 (online)

 

Einleitung:

Die Regulation von Emotionen erlangte in den letzten Jahren in der klinischen Erforschung und psychotherapeutischen Behandlung psychischer Störungen eine hohe Bedeutung. Psychische Störungen wie beispielsweise depressive Störungen oder die Borderline-Persönlichkeitsstörung werden mit Defiziten in der Emotionsregulation assoziiert. Bislang ist allerdings wenig über den Zusammenhang zwischen Emotionsregulation und Glücksspielverhalten sowie glücksspielbezogenen Problemen bekannt.

Methodik:

Die Daten basieren auf der Studie „Migration und Glücksspielsucht: Untersuchung der Entwicklung im Längsschnitt“ (MIGUEL). In insgesamt 11 Berufsschulen in Schleswig-Holstein wurden 6719 Schüler/innen systematisch proaktiv gescreent. Zur Erfassung von Emotionsregulation wurde die deutsche validierte Version des Affective Style Questionnaire (ASQ) eingesetzt. Glücksspielverhalten wurde mit Fragen zur Häufigkeit und Arten von Glücksspiel in den letzten 12 Monaten erfasst. Für die Erhebung von glücksspielbezogenen Problemen wurde der Fragebogen von Stinchfield eingesetzt, der anhand der DSM-IV Kriterien für pathologisches Glücksspiel entwickelt und für die vorliegende Studie an die DSM-5 Kriterien angepasst wurde. Weiterhin wurden soziodemographische Faktoren in die Analysen mit einbezogen.

Ergebnisse:

Eine erste Analyse mit n = 5440 Probanden zeigte keinen Einfluss des ASQ-Summenscores auf die Wahrscheinlichkeit, in den letzten 12 Monaten überhaupt Glücksspiel betrieben zu haben. Allerdings konnte ein signifikanter Effekt auf die Wahrscheinlichkeit, pathologisches Glücksspiel (≥4 DSM-5 Kriterien, n = 186) zu betreiben, gefunden werden (Odds Ratio, OR = 0,970, 95%-Konfidenzintervall, KI = 0,96 – 0,99). Die Regressionsanalyse zeigte, dass dieser Effekt unabhängig vom Geschlecht der Probanden besteht.

Schlussfolgerung:

Wie schon bei anderen psychischen Störungen wurde ein Zusammenhang zwischen einer defizitären Emotionsregulation und glücksspielbezogenen Problemen festgestellt. Eine gute Emotionsregulation scheint demnach einen protektiven Faktor insbesondere für pathologisches Glücksspiel darzustellen. Als therapeutische Implikation für Prävention und Therapie ergibt sich aus dem Befund, dass Skills zur Emotionsregulation zu berücksichtigen sind.