Suchttherapie 2017; 18(S 01): S1-S72
DOI: 10.1055/s-0037-1604601
Symposien
S-26 Beratung und Therapie von Kokain- und Amphetaminabhängigen
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Zielgruppentypische Spezifika in der Beratung und Therapie von Kokain- und Amphetaminabhängigen: Kokain und Sexualität, Kokain und ADHS

D Seehuber
1  Psychiatrische Ambulanz der Klinik Hohe Mark in Frankfurt a.M.
,
K Befort
1  Psychiatrische Ambulanz der Klinik Hohe Mark in Frankfurt a.M.
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Publication Date:
08 August 2017 (online)

 

Beratungsstellen und Fachkliniken, die spezifische Beratungs- und Therapieangebote für Kokainabhängige entwickeln, sollten die enge Verknüpfung zwischen dem Substanzkonsum und einigen zielgruppentypischen Verhaltensmustern ebenso berücksichtigen wie die störungsspezifische Funktionalität des Kokain- und Amphetaminkonsums bei adulter ADHS. Aufgrundlage eigener Erhebungen und jahresstatistischer Auswertungen wird die Bedeutung dieser beiden Faktoren für die erfolgreiche Beratung und Therapie Kokainabhängiger im Suchthilfezentrum Bleichstraße Frankfurt diskutiert und um Erfahrungen aus der Praxis der Ambulanten Suchttherapie bei KOKON Berlin erweitert. So gaben bei einer 2011 im Rahmen des „Kokainprojekts“ im SHZ Frankfurt durchgeführten Erhebung mit 15 männlichen und 15 weiblichen Patienten (Alter 25 bis 45 Jahre) über 60% eine Erhöhung des Pornografiekonsums und über 70% eine Steigerung sexueller Phantasien und Selbstbefriedigung im Zusammenhang mit Kokainkonsum an. Die Hälfte berichtete über aktive Nutzung und ein weiteres Viertel über eine Steigerung von PaySex Angeboten seit Beginn des Kokainkonsums. Der enge Zusammenhang von Sexualität und Substanzkonsum gewinnt insbesondere bei der Rückfallanalyse und Rückfallprophylaxe eine hohe Relevanz für den Erfolg der Abstinenztherapie. In ähnlicher Weise hohe Relevanz für die Therapie der Kokainabhängigkeit kommt der diagnostischen Abklärung und Behandlung der in der Zielgruppe häufig vorliegenden adulten ADHS zu. Im Rahmen eines Kooperationsmodells zwischen dem SHZ Frankfurt und der Psychiatrischen Ambulanz der Klinik Hohe Mark in Frankfurt erfolgte z.B. 2015 bei 20 von insgesamt 111 Patientinnen und Patienten mit Hauptdiagnose Kokainabhängigkeit eine diagnostische Abklärung und Mitbehandlung. Bei 16 Patienten wurde der Verdacht auf ADHS bestätigt. Die Zahlen belegen die hohe Relevanz adulter ADHS und sexualitätsbezogener Konsummotive bei abhängigen Kokainkonsumenten. Behandlungs- und Kooperationsmodelle zur Behandlung werden vorgestellt und diskutiert.