Zeitschrift für Phytotherapie 2017; 38(S 01): S1-S44
DOI: 10.1055/s-0037-1607179
Poster
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Ein pflanzliches Arzneimittel im Vergleich zu Methylphenidat: Ein alternativer Weg in der zukünftigen Behandlung von ADHS?

S Sommer
1  Pascoe pharmazeutische Präparate GmbH, Gießen, Deutschland
,
K Appel
2  VivaCell Biotechnology GmbH, Denzlingen, Deutschland
,
I Trompetter
1  Pascoe pharmazeutische Präparate GmbH, Gießen, Deutschland
› Author Affiliations
Further Information

Publication History

Publication Date:
27 September 2017 (online)

 

Neben den typischen Merkmalen einer Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) treten sehr häufig komorbide Störungen auf, darunter depressive Verstimmungen bis hin zu schweren Depressionen [1, 2, 3]. Als ADHS-spezifische Medikation wird hauptsächlich Methylphenidat eingesetzt [4]. Nachteile dieser Therapie liegen in der relativ hohen Rate an Non-Respondern (ca. 30%) [2] und einem vergleichsweise hohen Nebenwirkungspotential [5], wobei die Langzeitrisiken, das Abhängigkeitspotential und die Gefahr für Wesensänderungen bisher noch nicht ausreichend untersucht wurden [5, 6]. Als wesentlicher Wirkmechanismus in der ADHS-Therapie werden zentral-nervöse Effekte durch die Wiederaufnahmehemmung (WAH) von Dopamin und Noradrenalin und die schwache Bindung an Serotonin-Transporter diskutiert [5].

Effekte in der WAH von Dopamin und Noradrenalin sind auch von einem Phytopharmakon aus Johanniskraut-, Passionsblumen- und Baldrianextrakt bekannt. Darüber hinaus erstreckt sich dessen Wirkspektrum auf weitere Neurotransmitter (Serotonin und Melatonin) und verschiedene Rezeptoren (z.B. µ-Opioid- und GABA-Rezeptoren). Der vielschichtigen Symptomatik einer ADHS könnte so mit einem komplexen Wirkspektrum begegnet werden.

In einem Testsystem aus isolierten Synaptosomen von Ratten wurden Methylphenidat (isolierter Wirkstoff) und der pflanzliche Extrakt direkt miteinander verglichen. Gemessen wurde die WAH von Dopamin und Noradrenalin. Die Ergebnisse von Methylphenidat zeigten qualitativ und quantitativ, dass sich das gewählte Modell für diese Form des Tests eignet. Das pflanzliche Pharmakon (Neurapas® balance) zeigte ebenfalls eine gute WAH, die erwartungsgemäß unter der von reinem Methylphenidat liegt. Unter Berücksichtigung der Tagesdosierungen ergeben sich jedoch vergleichbare Dosierungen/IC50-Werte. Die Daten stützen die Hypothese, dass die gewählte pflanzliche Dreierkombination auch in der ADHS-Therapie eine positive Wirkung entfalten könnte.

Literatur:

[1] Falkai P et al. Diagnostisches und Statistisches Manual Psychischer Störungen DSM-5. Göttingen: Hogrefe; 2015

[2] Möller HJ et al. Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie. Stuttgart: Thieme; 2013

[3] Bundesärztekammer. Stellungnahme zur Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS), Langfassung; 2005

[4] Grobe TG et al. BARMER GEK Arztreport 2013, Schriftenreihe zur Gesundheitsanalyse. Band 18. Siegburg: Asgard-Verlagsservice; 2013

[5] Konrad-Bindl DS et al. Neuropsychiatr Dis Treat 2016; 12: 2635 – 2647

[6] Zentrales ADHS-Netz. Stellungnahme des zentralen adhs-netzes zu häufigen Fehlinformationen der Presse zu ADHS. 19.3.2012