Tierarztl Prax Ausg K Kleintiere Heimtiere 2009; 37(01): 7-13
DOI: 10.1055/s-0038-1622734
Hund/Katze
Schattauer GmbH

Lumbosakraler Übergangswirbel beim Deutschen Schäferhund: Häufigkeit, Formen, Genetik und Korrelation zur Hüftgelenksdysplasie

Lumbosacral transitional vertebrae in the German shepherd dog: prevalence, classification, genetics, and association with canine hip dysplasia
A. Wigger
1   Klinikum Veterinärmedizin, Klinik für Kleintiere, Chirurgie (Prof. Dr. Martin Kramer), Justus-Liebig-Universität Gießen
,
Ch. Julier-Franz
2   Tierarztpraxis in Mainz
,
B. Tellhelm
1   Klinikum Veterinärmedizin, Klinik für Kleintiere, Chirurgie (Prof. Dr. Martin Kramer), Justus-Liebig-Universität Gießen
,
M. Kramer
1   Klinikum Veterinärmedizin, Klinik für Kleintiere, Chirurgie (Prof. Dr. Martin Kramer), Justus-Liebig-Universität Gießen
› Author Affiliations
Further Information

Publication History

Eingegangen: 16 February 2008

akzeptiert: 13 May 2008

Publication Date:
06 January 2018 (online)

Zusammenfassung

Ziel der vorliegenden Arbeit war, die Häufigkeit verschiedener Formen lumbosakraler Übergangswirbel (LÜW) beim Deutschen Schäferhund (DSH) festzustellen. Es sollte überprüft werden, ob eine genetische Basis vorliegt, und eine Einschätzung der Heritabilität (h2) erfolgen. Zusätzlich sollte der Einfluss von LÜW auf die Entstehung von Hüftgelenksdysplasie (HD) bestimmt werden. Material und Methoden: An Röntgenbildern von 4386 DSH mit Abstammungsnachweis wurde die Häufigkeit von LÜW insgesamt sowie bestimmter Formen ermittelt. Es erfolgte eine Heritabilitätsschätzung für das Merkmal LÜW. Neben der Erfassung des offiziellen HD-Befunds nach Fédération Cynologique Internationale (FCI) fand eine HD-Beur teilung nach dem Züricher Punkteschema statt, um Unterschiede zwischen rechtem und linkem Hüftgelenk zu ermitteln. Vorliegen und Formen von LÜW wurden in Korrelation zum HD-Befund gebracht. Ergebnisse: Der festgestellte Anteil an LÜW (29,0%) lag höher als bisher in der Literatur angegeben. Den Großteil der LÜW (78%) bildete die Form mit ausschließlich isoliertem Proc. spinosus am ersten Kreuzbeinwirbel. Unter den ausgeprägteren Formen waren symmetrische (12%) und asymmetrische (10%) LÜW etwa gleich häufig vertreten. Das Geschlecht hatte keinen Einfluss auf das Auftreten eines LÜW. Die Heritabilität lag bei 20–30%. Das Vorliegen eines LÜW stellte keine Prädisposition für HD dar. Schlussfolgerungen und klini sche Relevanz: Die ermittelte Heritabilität für LÜW ermöglicht zuchthygienische Maßnahmen zur Reduzierung von LÜW beim DSH, was im Hinblick auf eine mögliche Korrelation zwischen LÜW und Cauda-equina-Syndrom von Bedeutung sein könnte. Ein Zusammenhang zwischen LÜW und HD war nicht sicher nachweisbar.

Summary

Aim of our study was to determine the prevalence of different types of lumbosacral transitional vertebrae (LTV) in the German Shepherd Dog (GSD). It was evaluated if there is a genetic base for LTV and the heritability (h2) of LTV was determined. Additionally the influence of LTV on canine hip dysplasia (CHD) was assessed. Material and methods: Pelvic radiographs of 4386 GSDs with complete pedigree information were used to determine the overall prevalence and the prevalence of different types of LTV. Heritability of LTV was estimated. In addition to recording of the Official Fédération Cynologique Internationale (FCI) hip scores hips were rated according to the swiss-scoring system, allowing evaluation of the right and left hip joint separately. Results: LTVs were found more frequently (29.0%) than previously reported. An isolated spinous process of the first sacral vertebrae (78% of all LTVs) was the most common type of LTV observed. An even distribution was found between symmetric (12%) and asymmetric (10%) LTVs. There was no gender predisposition. The estimated heritability was at 20–30%. No correlation between LTV and the occurrence of CHD could be found. Conclusion and clinical relevance: Calculated values for heritability suggest a genetic base for LTV and may allow breeding selection against LTV. This could be important considering the correlation between LTV and cauda equina syndrome. No apparent correlation between LTV and CHD was detected.