Tierarztl Prax Ausg G Grosstiere Nutztiere 2012; 40(01): 53-61
DOI: 10.1055/s-0038-1623099
Für Studium und Praxis
Schattauer GmbH

Untersuchung des akut kolikkranken Pferdes – klinische und forensische Aspekte

Examination of horses with acute colic. Clinical and legal aspects
A. Bienert-Zeit
1  Klinik für Pferde der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover
,
J.-M. V. Müller
1  Klinik für Pferde der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover
,
K. Feige
1  Klinik für Pferde der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover
› Author Affiliations
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Publication History

Eingegangen: 13 December 2011

Akzeptiert nach Revision: 17 January 2012

Publication Date:
06 January 2018 (online)

Zusammenfassung

Der Artikel fasst praktische Hinweise und Informationen über das Management von Pferden mit akuten Koliksymptomen zusammen. Anamnese und Diagnostik sowie wichtige Aspekte der Forensik werden diskutiert. Die Anamneseerhebung erfolgt entsprechend dem Erkrankungsgrad des Patienten und umfasst in jedem Fall kolikassoziierte Informationen wie z. B. den Beginn der Koliksymptome, Verlauf und Schweregrad, letzten Kotabsatz und etwaige Vorbehandlungen. Auch der Umfang der klinischen Untersuchung wird an die Koliksymptomatik angepasst. Bei Pferden, die aufgrund hochgradiger Koliksymptome nur eingeschränkt zu untersuchen sind, werden zunächst nur die kardiovaskulären Parameter sowie die Körperinnentemperatur und das Verhalten beurteilt. Die Untersuchung mit einer Magensonde gehört grundsätzlich zur Untersuchung eines Kolikpatienten, um die Gefahr einer Magenruptur durch eine Magenüberladung abzuwenden. Auch der transrektalen Untersuchung kommt große Bedeutung bei der Kolikeruntersuchung zu. Sie sollte bei jedem Patienten durchgeführt werden, bei dem keine triftigen Gründe gegen diese Untersuchungsmethode sprechen. Die sorgfältige, klinische Untersuchung eines Pferdes mit akuter Kolik ermöglicht dem Tierarzt zusammen mit dem Vorbericht in den meisten Fällen eine Verdachtsdiagnose zu stellen und eine prognostische Einschätzung sowie die Entscheidung hinsichtlich einer konservativen oder chirurgischen Therapie zu treffen. Der Tierarzt steht bei jeder Untersuchung eines an akuter Kolik erkrankten Pferdes in der tierärztlichen Dokumentations- und Aufklärungspflicht. Gerade die schriftliche Dokumentation erhobener Befunde und durchgeführter Therapien, aber auch der tierärztlichen Beratung und Aufklärung, sollte zeitnah erfolgen. Dies erleichtert sowohl eine Weiterbehandlung des Patienten als auch die Beweislage im Fall eines möglicherweise resultierenden Rechtsstreits.

Summary

The article provides hands-on advice and scientific background information regarding the management of the equine acute colic patient. It summarizes essential information on the patient’s history, clinical examination, and legal aspects. The scope of the history is based on the clinical appearance of the patient. In horses with violent and barely controllable signs of pain, it is limited to colic-associated information such as onset, course and severity of colic signs, and the last time of defecation, as well as prior therapeutic intervention. In these patients, the clinical examination is focussed primarily on the assessment of cardiovascular parameters, rectal temperature, and the patient’s behaviour. The nasogastric intubation is an essential part of the examination of a horse with colic to prevent a gastric rupture due to gastric distension. Transrectal palpation is equally important and should always be performed unless there are important reasons to object to this procedure. In most cases, a thorough patient history and clinical examination of an acute colic patient allows the examining veterinarian to make a tentative diagnosis and a prognostic evaluation. This helps with the decision to start a conservative or a surgical therapy. Due to the existing obligatory documentation requirement and the duty to inform patient owners, it is of utmost importance to promptly document one’s findings, therapeutic measures, consulta tions, and information of the patient owner in written form. This supports further therapy and it can also be of relevance in a potentially resulting lawsuit.