Tierarztl Prax Ausg G Grosstiere Nutztiere 2012; 40(02): 107-111
DOI: 10.1055/s-0038-1623104
Kasuistik
Schattauer GmbH

Hohe perinatale Sterblichkeit in einer Schafherde im Zusammenhang mit Dreifach-Anthelminthikaresistenz

Ein FallberichtHigh perinatal mortality associated with triple anthelmintic resistance in a German sheep flock
K. Voigt
1  Klinik für Wiederkäuer der Ludwig-Maximilians-Universität München, Oberschleißheim
,
M. Scheuerle
2  Lehrstuhl für Vergleichende Tropenmedizin und Parasitologie der Ludwig-Maximilians-Universität München, München
,
D. Hamel
2  Lehrstuhl für Vergleichende Tropenmedizin und Parasitologie der Ludwig-Maximilians-Universität München, München
,
K. Pfister
2  Lehrstuhl für Vergleichende Tropenmedizin und Parasitologie der Ludwig-Maximilians-Universität München, München
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Publication History

Eingegangen: 20 August 2011

Akzeptiert nach Revision: 20 October 2011

Publication Date:
06 January 2018 (online)

Zusammenfassung

Eine hohe Neugeborenensterblichkeit, Milchmangel und vereinzelte Todesfälle bei Mutterschafen führten zur Untersuchung einer Dorper-Schafherde in Süddeutschland. Als zugrunde liegende Ursachen wurden Abmagerung und eine hohe Belastung mit Trichostrongylus spp. trotz regelmäßiger anthelminthischer Behandlung identifiziert. Die weitere parasitologische Untersuchung der Herde mittels Eizahlreduktionstest ergab keinerlei Eizahlreduktion nach Anwendung von Ivermectin oder Albendazol sowie eine deutlich verminderte Eizahlreduktion von 57,9% nach Behandlung mit Levamisol. Diese Ergebnisse sind Zeichen einer fehlenden bzw. deutlich verringerten Wirksamkeit von Stoffen aus allen drei klassischen Anthelminthikagruppen. Dieser Fall zeigt, dass auch in Deutschland mit Mehrfachresistenzen gegen die klassischen Anthelminthikagruppen gerechnet werden muss. Einschleppung resistenter Wurmpopulationen durch Zuchttierimporte, übermäßiger Einsatz von Anthelminthika und Unterdosierung von Wirkstoffen bei Ziegen stellen mögliche Ursachen im beschriebenen Fall dar und verdeutlichen, dass dem Parasitenmanagement und der Beratung von Schaf- und Ziegenhaltern von tierärztlicher Seite erhöhtes Augenmerk zu schenken ist.

Summary

High perinatal mortality, low milk yields and occasional ewe deaths were investigated in a Dorper sheep flock in Southern Germany. Parasitic gastroenteritis due to Trichostrongylus spp. associated with severe weight loss despite regular anthelmintic treatments of the flock was identified as the underlying cause. A faecal egg count reduction (FECR) test revealed zero reduction after treatment with ivermectin or albendazole, respectively, and a FECR of 57.9% following treatment with levamisole. These results indicate a lack of, or considerably reduced efficacy of substances from all three classical groups of anthelmintics and demonstrate that triple anthelmintic resistance is also present in Germany. The introduction of resistant worm populations with imported livestock, excessive use of anthelmintic drugs and under-dosing of goats have possibly led to the problem in the flock described. Veterinary advice on anthelmintic treatments and responsible parasite control programmes are therefore crucial in small ruminant flocks.