Geburtshilfe Frauenheilkd 2018; 78(01): 83-92
DOI: 10.1055/s-0038-1625054
Abstracts
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Perinataldaten bei vietnamesischen Migrantinnen in Berlin

M David
1  GGGB, Berlin
,
N Boxall
1  GGGB, Berlin
,
E Schalinski
1  GGGB, Berlin
,
J Breckenkamp
1  GGGB, Berlin
,
O Razum
1  GGGB, Berlin
,
L Hellmeyer
1  GGGB, Berlin
› Author Affiliations
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Publication History

Publication Date:
11 January 2018 (online)

 

Etwa 14.000 Vietnamesinnen und Vietnamesen lebten 2014 in Berlin, davon ca. ein Drittel in Berlin-Lichtenberg. Über die Perinataldaten vietnamesischer Migrantinnen in Deutschland ist bisher wenig bekannt. Folgende Hypothesen zu vietnamesischen Migrantinnen sollten überprüft werden: Tritt wegen anderer Ernährungsgewohnheiten häufiger ein Gestationsdiabetes auf, kommt es wegen anatomischer Gegebenheiten (relativ kleine Frauen) häufiger zum Geburtsstillstand, mehr schwere Dammverletzungen und mehr Sectioentbindungen (Hauptfragestellung), wirken sich Sprachschwierigkeiten ungünstig auf das perinatales Outcome aus?

Laut Fallzahlschätzung war die Erfassung von mindestens 1.000 vietnamesischen Migrantinnen zur Beantwortung der Hauptfragestellung nötig. Die Vergleichsgruppe wurde mittels eines matched pair-Verfahrens zugeordnet (jeweils davor und danach gebärende Nicht-Migrantin laut Geburtenbuch). Die Zuordnung der Frauen zu den beiden Gruppen erfolgte mittels Namensanalyse. Um die erforderliche Anzahl von mehr als 3.000 Frauen zu erreichen, wurden die Geburtenbücher der Geburtsklinik im Berliner Krankenhaus Vivantes Klinikum im Friedrichshain retrospektiv ausgewertet. 3.159 Gebärende wurden erfasst, Datensätze von 3002 Müttern, davon 999 vietnamesische Migrantinnen, konnten in die Auswertung eingeschlossen werden.

Mittels logistischer Regressionsanalyse wurden u.a. die Zusammenhänge zwischen einer primären bzw. sekundären Sectio und dem (vietnamesischen) Migrationshintergrund überprüft – es zeigten sich keine signifikanten Unterschiede zwischen Frauen mit und ohne Migrationshintergrund, allerdings gab es Unterschiede bei den Sectioindikationen. Die Inanspruchnahme der Schwangerenvorsorge durch vietnamesische Migrantinnen unterscheidet sich nicht. Außerdem konnte gezeigt werden, dass Kinder vietnamesischer Migrantinnen weder schlechtere 5-min-Apgar-Werte, noch niedrigere arterielle Nabelschnur pH-Werte im Vergleich zu Nicht-Migrantinnen haben. Vietnamesinnen hatten gegenüber Nicht-Migrantinnen allerdings mehr Geburtswegsverletzungen (Episiotomie, schwere Dammrisse).

Insgesamt scheint die Betreuungsqualität vietnamesischer Migrantinnen in Berlin trotz teilweise vorhandener Kultur- und Kommunikationsbarrieren gut zu sein. Die Bedeutung von Akkulturationsfaktoren bleibt (vorerst) unklar.