Geburtshilfe Frauenheilkd 2018; 78(01): 83-92
DOI: 10.1055/s-0038-1625067
Abstracts
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

„Contra-Position“ zur prophylaktischen Salpingoovarektomie (Diskussionsbeitrag)

M Mangler
1  GGGB, Berlin
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Publication Date:
11 January 2018 (online)

 

Man unterscheidet zwei Formen der prophylaktischen Adnexektomie, einmal bei Genmutationen (BRCA1/2 oder RAD51/D) sowie prophylaktische Adnexektomien im Rahmen von anderen Eingriffen, z.B. bei Hysterektomien.

Nicht nur in der WHS-Studie wird für Frauen nach Adnexektomie das Risiko besonders für die Mortalität bei koronaren Herzerkrankungen, Schlaganfällen, Frakturen, Parkinson, Demenz, Bronchialkarzinom als erhöht angegeben.

Zu den prophylaktischen Adnexektomien bei Hysterektomie gibt es in der DGGG-Leitlinie klare Statements: „Eine prophylaktische Adnexektomie im Zusammenhang mit Hysterektomie kann nicht routinemäßig empfohlen werden.“ „Eine prophylaktische beiderseitige Adnexektomie ist mit erheblichen Langzeitnebenwirkungen assoziiert.“ Hierüber sollte die Patientin ausführlich informiert werden. Die Indikation ist streng zu stellen.

Es konnte gezeigt werden, dass bei gesunden Frauen, die nicht an einer Genmutation leiden, bis zum 65. Lebensjahr ein nachweislicher Effekt der Ovarien auf die Lebenszeit gegeben ist. Die Ursache liegt in der postmenopausalen ovariellen Androgensekretion. Im peripheren Blut kommt es zur Konversion von Testosteron und Androstendion zu Oestrogen und einem systemischen Effekt.

Es gibt in Deutschland siebzehn Zentren für familiären Brust- und Eierstockkrebs, vernetzt in einem Konsortium. In diesen Zentren werden Patientinnen mit dem Verdacht auf Genmutationen und Patientinnen mit familiärer Belastung durch Brust- und Eierstockkrebs beraten.

Manche Ovarialkarzinome, z.B. seröse high-grade Karzinome, haben ihren Ursprung in der Tube, ursächlich sind infektionsbiologische Prozesse, die das Mikroenvironment des Fimbrientrichters ändern sowie proinflammatorische Endotoxine, die durch die Ovulation induziert werden. Auch STICs (seröse tubare intraepitheliala Karzinome) sind Krebsvorstufen, die sich in der Tube finden und ein Ovarial- oder Peritonealkarzinom verursachen können.

Die Einheit Ovar und Tube sollte aufgebrochen und im Rahmen von Studien geklärt werden, ob eine Tubenentfernung zur Risikoreduktion ausreicht, dies kann im Rahmen der PLUS-MINUS-Studie erfolgen. Die Reduktion von Ovarialkarzinomerkrankungen ist aufgrund der niedrigen Inzidenz von 11/100000 in einer Studie statistisch schwierig nachweisbar. Zu bedenken ist auch, dass wenn man nur die Tube entfernt und das Ovar belässt, dies durch den reduzierten Blutstrom zu einer Verminderung der ovariellen Reserve führt mit den dazugehörigen Konsequenzen wie Studien gezeigt haben.