Geburtshilfe Frauenheilkd 2018; 78(01): 83-92
DOI: 10.1055/s-0038-1625071
Abstracts
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Alfons von Rosthorn (1857 – 1909) – Operationszögling bei Theodor Billroth und später Ordinarius für Gynäkologie und Geburtshilfe

UA Ulrich
1  GGGB, Berlin
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Publication Date:
11 January 2018 (online)

 

Alfons Edler von Rosthorn wurde am 19. September 1857 in Oed, Niederösterreich, geboren. Zunächst begann er das Studium der Zoologie in Wien und wechselte dann zur Medizin. 1885 wurde er zum Dr. med. promoviert. Er begann als Operationszögling („Operatoid“) bei Billroth und ging 1886 dann mit Billroths ehemaligem Oberarzt Anton Wölfler nach Graz. 1888 wurde er Assistent an der II. Universitäts-Frauenklinik Wien bei August Breisky. 1891 erhielt er nach erfolgreicher Habilitation die Venia legendi – inzwischen unter Rudolf Chrobak. 1891 ging v. Rosthorn als Supplent nach Prag, wo das Ordinariat wegen des Rufes von Schauta auf den I. Wiener Lehrstuhl verwaist war. Rosthorn bewährte sich in Prag, so dass er rasch Extraordinarius und 1894 in loco zum Ordinarius berufen wurde. 1899 erhielt er einen Ruf nach Graz, 1902 nach Heidelberg und 1908 auf die II. Wiener Lehrkanzel als Nachfolger seines Lehrers Chrobak. Rosthorn entstammte einer Industriellen- und Unternehmerdynastie. Matthew Rowsthorne, Knopffabrikant aus Preston, Lancashire, England, kam Ende des 18. Jahrhunderts unter Maria Theresia nach Wien. 1790 wurden aus den Rowsthornes die „Edlen von Rosthorn“. Alfons v. Rosthorns Eltern waren der Industrielle Josef v. Rosthorn und Josefine Freiin v. Mandorff, die altem Kärntner Adel entstammte; sie hatten sechs Kinder. Alfons' Bruder Arthur ging als Sinologe und österreichisch-ungarischer Diplomat in die Geschichte ein. Alfons' Cousine 2. Grades Rose v. Rosthorn-Friedmann und ihr Mann, der Unternehmer Louis Friedmann, beide leidenschaftliche Bergsteiger, waren im Wien der Jahrhundertwende ein schillerndes Paar; sie tauchen bei Arthur Schnitzler und Hugo von Hoffmannsthal auf. Gustav Klimt portraitierte Rose. Billroth gab der operativen Gynäkologie als Chirurg wichtige Impulse: Strukturiertes, anatomisches, schulmäßiges Herangehen an gynäkologisch-operative Probleme, das Beachten allgemein-chirurgischer Regeln („von der Pike auf“) und die Wahrnehmung der operativen Gynäkologie als chirurgische Disziplin. Aus dieser Schule stammte v. Rosthorn. Alfons Edler v. Rosthorn starb am 9. August 1909 wahrscheinlich an einem Herzinfarkt (bei August Martin: „Schlaganfall“) auf der Jagd in den Seckauer Alpen in der Steiermark. Er starb zu jung, um ein großes Lebenswerk hinterlassen zu können. In seinen wichtigsten Publikationen behandelte er das Zervixkarzinom, ein Gebiet, auf dem er geistig mit August Martin und Wilhelm Alexander Freund zusammen arbeitete.