Kinder- und Jugendmedizin 2012; 12(05): 283-285
DOI: 10.1055/s-0038-1629210
Mehrsprachigkeit
Schattauer GmbH

Zweisprachigkeit bei Kindern mit Migrationshintergrund

Bilingual children from immigrant parents
B. Eisenwort
1   Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde, Med. Universität Wien
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Publication History

Eingereicht am:11 June 2012

angenommen am:25 June 2012

Publication Date:
31 January 2018 (online)

Zusammenfassung

Kinder mit Migrationshintergrund stellen weltweit eine immer größer werdende Bevölkerungsgruppe dar. Viele Studien haben bisher gezeigt, dass die Entwicklung der Erstsprache die Entwicklung weiterer Sprachen beeinflusst. Je besser die Kompetenzen der Kinder in ihrer Erstsprache sind, desto erfolgreicher ist auch der Zweitspracherwerb. Migrantenkinder scheitern überdurchschnittlich häufig aufgrund von ungenügenden Sprachkompetenzen in der Bildungssprache. Sprachkompetenz in der Bildungssprache als Zweitsprache wird jedoch leichter auf einem Fundament muttersprachlicher Basiskompetenzen erworben. Auch für eine gesunde psychische Entwicklung und für den Aufbau sozialer Kompetenz ist die Förderung beider Sprachen wichtig. Vorschulkinder mit Migrationshintergrund zeigen ein deutlich höheres Risiko für die Entwicklung von spezifischen und unspezifischen Lernstörungen im Schul-alter. Weiters gibt es Hinweise auf eine negative Korrelation zwischen Muttersprachkompetenz und dem Auftreten psychiatrischer Syndrome mit externalisierenden Symptomen. Es werden drei aktuelle Initiativen zur Unterstützung von zweisprachigen Kindern und ihren Familien mit Migrationshintergrund beschrieben.

Summary

Children of immigrant parents constitute a fast growing segment of our society. Many studies have shown that language proficiency in mother tongue influences the ability to learn a second language. Higher proficiency in a first language enables the child to learn a second language successfully. Children from immigrant parents usually fail at school because of deficits in the mastery of a second language, which is a decontextualisized academic language. Mastery of a second and academic language is learned easier when it is based on proficiency in mother tongue. For psychosocial and mental development proficiency in both languages is required, too. Pre-school children from immigrant parents have a higher risk to suffer from specific and unspecific learning disorders at school. It seems that there is a negative correlation between language proficiency in the mother tongue and psychiatric syndromes with externalizing symptoms. Three projects concerning support for bilingual children and their immigrant parents are described.