Kinder- und Jugendmedizin 2015; 15(06): 409-414
DOI: 10.1055/s-0038-1629296
Kinderschutz
Schattauer GmbH

Hinsehen – Erkennen – Handeln

Umgang mit dem Verdacht einer Kindeswohlgefährdung an pädiatrischen Einrichtungen in SachsenNotice – Recognize– ActDealing with suspected child welfare risk in pediatric institutions in Saxony
A. Neumann
1   Klinik und Poliklinik für Psychotherapie und Psychosomatik des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus der TU Dresden
,
M. Schulz
1   Klinik und Poliklinik für Psychotherapie und Psychosomatik des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus der TU Dresden
,
J. Schellong
1   Klinik und Poliklinik für Psychotherapie und Psychosomatik des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus der TU Dresden
,
A. Heilmann
2   Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus der TU Dresden
,
F. Schwier
3   Klinik und Poliklinik für Kinderchirurgie des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus der TU Dresden
,
U. Schmidt
4   Institut für Rechtsmedizin der Medizinischen Fakultät Carl Gustav Carus der TU Dresden
,
C. Erfurt
4   Institut für Rechtsmedizin der Medizinischen Fakultät Carl Gustav Carus der TU Dresden
,
G. Fitze
3   Klinik und Poliklinik für Kinderchirurgie des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus der TU Dresden
,
R. Berner
2   Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus der TU Dresden
› Institutsangaben
Weitere Informationen

Publikationsverlauf

Eingereicht am: 14. April 2015

angenommen am: 23. April 2015

Publikationsdatum:
29. Januar 2018 (online)

Zusammenfassung

Der Umgang mit Fällen von Kindeswohlgefährdung im medizinischen Bereich bedeutet hohe emotionale Belastungen, komplexe Behandlungsbedarfe und rechtliche Fallstricke. Ein standardisiertes Vorgehen ist hier dringend zu empfehlen. Mit dem Projekt „Hinsehen – Erkennen – Handeln. Kinderschutz in der Medizin“ wird in Sachsen die Stärkung von multi-professionellen Kinderschutzgruppen an allen pädiatrischen Abteilungen angeregt und den Kliniken in Anlehnung an bereits bestehende Standards ein strukturiertes und verbindliches Interventionskonzept bei Verdacht auf Kindeswohlgefährdung angeboten.

Der Prozess der Implementierung verläuft in jeder Klinik unterschiedlich, je nach Stand der bisherigen Kinderschutzaktivitäten und -kompetenzen sowie nach regionalen Möglichkeiten im Austausch mit den Mitarbeitern der Kliniken/ Jugendhilfe. Während dieser Kooperationsarbeit entstehen vielfältige Fragen wie z. B. die Versorgung der betroffenen Kinder, die Verstetigung von Strukturen sowie deren Vergütung. Ziel künftiger Anstrengungen im medizinischen Kinderschutz sollte die Etablierung langfristig tragfähiger Strukturen inklusive angemessener Vergütung und personeller Ausstattung sein.

Summary

The medical sector’s handling of suspected child abuse cases may involve high emotional burden, complex treatment needs, and potential legal pitfalls. Therefore, standardized procedures in these cases are recommended. The „Notice – Recognize – Act“ project strengthens multidisciplinary child protection groups across pediatric departments in Saxony.

Integrating existing practices, the hospitals are offered structured and standardized guidelines for handling suspected cases.

The implementation of the „Notice – Recognize – Act“ project varies greatly among hospitals, which reflects the pre-existing heterogeneity of their approaches.

In-depth discussions with hospital staff cover a variety of issues, including clinical care of the affected child, long-term maintenance of child protective structures within the hospital, as well as operationalizing billing procedures.

The aim of future efforts to adequately care for children in cases of suspected abuse should be the establishment of long-term viable structures with adequate compensation and personnel.