Adipositas - Ursachen, Folgeerkrankungen, Therapie 2018; 12(01): 17-23
DOI: 10.1055/s-0038-1636967
Originalarbeit
Schattauer GmbH

Nudging-Maßnahmen im Bereich Ernährung zur Prävention von Übergewicht und Adipositas bei Kindern und Jugendlichen

Nutritional Nudging as Preventive Strategy for Overweight and Obesity in Children and Adolescents
S. L. Holzmann
1  Institut für Ernährungsmedizin, Klinikum rechts der Isar, Technische Universität München, München
,
A. Bieringer
1  Institut für Ernährungsmedizin, Klinikum rechts der Isar, Technische Universität München, München
,
H. Hauner
1  Institut für Ernährungsmedizin, Klinikum rechts der Isar, Technische Universität München, München
2  ZIEL – Institute for Food & Health, Else Kröner-Fresenius Zentrum für Ernährungsmedizin, Technische Universität München, Freising-Weihenstephan
,
C. Holzapfel
1  Institut für Ernährungsmedizin, Klinikum rechts der Isar, Technische Universität München, München
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Publication Date:
27 February 2018 (online)

Zusammenfassung

Übergewicht und Adipositas im Kindes- und Jugendalter haben sich in den letzten Jahrzehnten zunehmend zu einer Herausforderung für das Gesundheitssystem und die Gesellschaft entwickelt. Der wachsende Außer- Haus-Verzehr von hoch prozessierten Lebensmitteln, bedingt durch deren Omnipräsenz, ist mit einer gesteigerten Energieaufnahme assoziiert. Es handelt sich um eine komplexe Ernährungsumwelt, in der Essensentscheidungen oft auf Gewohnheit und Intuition basieren, nicht aber bewusst und kontrolliert getroffen werden. Präventionsstrategien bei Übergewicht und Adipositas adressieren entweder das Verhalten des Individuums (=Verhaltensprävention) per se oder die Verhältnisse, in denen das Individuum lebt (=Verhältnisprävention). Im Bereich der Verhältnisprävention von Übergewicht und Adipositas gewann in den letzten Jahren der sogenannte “nudging”-Ansatz (“Verhaltensstupser”) an Bedeutung. Das Prinzip “Nudging” wird häufig in ernährungsassoziierten Kontexten eingesetzt. In Deutschland existieren bisher nur wenige Präventionsprogramme, die den verhältnispräventiven Ansatz gegen Übergewicht und Adipositas bei Kindern und Jugendlichen adressieren. Gerade in den Settings “Kindergarten” und “Schule” besteht die Möglichkeit, im Rahmen von einfachen Modifikationen der bestehenden Ernährungsumwelt durch sog. “Stupser” gesundheitsförderliche Auswahlroutinen zu etablieren. Für eine Evidenzbegründung von “Nudging”-Maßnahmen fehlen derzeit noch randomisiert-kontrollierte Studien.

Summary

In the past decades, overweight and obesity among children and adolescents have developed increasingly to a public health challenge. A growing out-of-home consumption of easily available and accessible food is associated with an increased energy intake. It is a complex food environment, where food choices are usually based on habits and hedonic intuition instead of consciousness and self-controlled decisions. Preventive strategies against overweight and obesity address either the behavior of the individual itself (= behavioral prevention) or its environment (= environmental prevention). The so-called “nudging”-approach among individuals with overweight and obesity became more and more attractive in recent years. The term “nudging” refers to a nudge regarding an intended behavior and is increasingly used in nutrition-related environments. Up to now, there are only a few programs that address the environmental prevention of overweight and obesity among children and adolescents in Germany. “Nudging” can be applied as a simple and economical method in order to change food choice in existing environments, especially in kindergartens and schools. At present, there is a lack of randomized- controlled trials regarding an evidencebased evaluation of nutritional “nudging”- interventions.