CC BY-NC-ND 4.0 · Laryngo-Rhino-Otol 2018; 97(S 02): S5
DOI: 10.1055/s-0038-1639731
Poster
Aerodigestivtrakt: Aerodigestive tract
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Potentielle Gefahr einer Massenblutung als seltene Komplikation bei Tracheostomie

B Gebhardt
1  HNO, Campus Benjamin Franklin, Universitätsmedizin Berlin, Berlin
,
A Pudszuhn
1  HNO, Campus Benjamin Franklin, Universitätsmedizin Berlin, Berlin
,
VM Hofmann
1  HNO, Campus Benjamin Franklin, Universitätsmedizin Berlin, Berlin
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Publication Date:
18 April 2018 (online)

  

Tracheostomien (TS) stellen einen der häufigsten Eingriffe in der HNO bzw. in der Intensivmedizin dar. Man unterscheidet zw. der offenen, chirurgischen TS und der perkutan, dilatativen TS. Die wichtigsten Indikationen stellen die Langzeitbeatmung, die Atemwegssicherung bei tumoröser, entzündlicher oder traumatischer Atemwegsverlegung, Aspirationsschutz oder Atemnot infolge eines beidseitigen Stimmlippenstillstandes dar. Die Komplikationen reichen von der Aspiration, Wundheilungsstörungen, Emphysem, Mediastinitis, Insertion via falsa bis zu seltenen massiven Blutungen. Diese Blutungen sind potentiell lebensbedrohlich und haben ihren Ursprung vorwiegend in einer Verletzung bzw. postoperativen Arrosion des Truncus brachiocephalicus (TB). Die Ausbildung einer „tracheo innominate fistula“ ist eine seltene aber in der Regel tödliche Komplikation.

Anhand einer Falldarstellung wird der Befund und das Vorgehen bei einem hoch verlaufenden TB im Vergleich zur aktuellen Literatur beschrieben. Die Indikation zur offenen chirurgischen TS bei der 84jährigen Patientin bestand aufgrund progredienter Dyspnoe mit inspiratorischem Stridor bei Z.n. Thyreoidektomie mit bds. Stimmlippenstillstand. Es erfolgte die Anlage einer offenen chirurgischen TS. Hierbei zeigte sich in Höhe der 2.-3. Trachealspange der pulsierende TB. Daraufhin wurde die TS zw. 1. und 2. Trachealspange angelegt und der TB durch einen von lateral gestielten Muskelbindegewebslappen geschützt.

Fazit:

Distal der 4. Trachealspange gelangt man potentiell in die Hochrisikoregion des TB. Bei Patienten mit stattgehabten Operationen im Halsbereich bzw. des vorderen Mediastinums oder konstitutionell schwierigen Verhältnissen ist ggf. eine präoperative Bildgebung erforderlich und es sollte eine offene chirurgische TS gewählt werden.