CC BY-NC-ND 4.0 · Laryngo-Rhino-Otol 2018; 97(S 02): S5-S6
DOI: 10.1055/s-0038-1639733
Poster
Aerodigestivtrakt: Aerodigestive tract
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Behandlung postoperativer Schmerzen nach Tonsillektomie mit Patienten-kontrollierter intravenöser Analgesie – überfällig oder übertrieben?

M Gostian
1  Klinik für Anästhesiologie, Uniklinik Köln, Köln
,
J Löser
1  Klinik für Anästhesiologie, Uniklinik Köln, Köln
,
T Bentley
1  Klinik für Anästhesiologie, Uniklinik Köln, Köln
,
P Wolber
2  Univ. HNO-Klinik, Köln
,
D Schwarz
2  Univ. HNO-Klinik, Köln
,
M Otte
2  Univ. HNO-Klinik, Köln
,
S Veith
2  Univ. HNO-Klinik, Köln
,
C Görg
1  Klinik für Anästhesiologie, Uniklinik Köln, Köln
,
M Balk
3  Univ. HNO-Klinik, Erlangen
,
A Gostian
3  Univ. HNO-Klinik, Erlangen
› Author Affiliations
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Publication History

Publication Date:
18 April 2018 (online)

  

Einleitung:

Die Tonsillektomie (TE) führt zu unverhältnismäßig hohen postoperativen Schmerzen. Ein effektiver Behandlungsstandard fehlt. Wir berichten über die Ergebnisse der prospektiven Studie (DRKS00011092) zum Einsatz einer Patienten-kontrollierten intravenösen Analgesie (PCIA) mit Morphin nach TE.

Material und Methoden:

Nach TE wurden 30 konsekutive erwachsene Patienten (Pat.) mit einem oralen Schmerz-Stufenschema (Gruppe 1) und bisher 11 Pat. mit einer PCIA postoperativ für 3 Tage (Morphin 1 mg/ml, 1 mg Bolus, max. 30 mg in 4 Std.) (Gruppe 2) behandelt. Primärer Endpunkt war die tägliche postoperative Schmerzintensität (Numerische Rating Skala (NRS): 0 = kein -10 = stärkster Schmerz). Sekundäre Endpunkte waren der Schmerzmittelverbrauch (in Morphinäquivalent (MÄq) p.o.), die Lebensqualität (SF36), die Zufriedenheit mit der Therapie (NRS; QUIPS) und therapiebedingte Nebenwirkungen.

Ergebnisse:

Die Schmerzintensitäten in Gruppe 1 (Ø 25J.; 63,3% ♀) vs. Gruppe 2 (Ø 24J.; 80% ♀) betrugen an den postop Tagen 1 – 3 jeweils Ø 4,48 vs. 4,11 (p = 0,68), 4,75 vs. 4,0 (p = 0,26) und 4,44 vs. 3,85 (p = 0,46). Ohne PCIA benötigten 75,9% der Pat. Ø 80,7 mg MÄq p.o. verglichen mit 93,78 mg (p = 0,6) mit PCIA. Der körperliche bzw. psychische Summenscore der Gruppen 1&2 betrug Ø 36,2 vs. 33,9 (p = 0,54) bzw. 49,2 vs. 51,9 (p = 0,42). Die Zufriedenheit war vergleichbar hoch (Ø 7,4 vs. 8,4; p = 0,12). Die Opioid-typischen Nebenwirkungen Übelkeit (66,7% vs. 55,7, p = 0,54) und Müdigkeit (96,6% vs. 100%; p = 0,57) waren mit PCIA nicht signifikant häufiger.

Schlussfolgerung:

Die bisherigen Ergebnisse weisen die PCIA als effektive und sichere Schmerztherapie nach TE aus. Sie führt zu keinem signifikanten Anstieg unerwünschter Nebenwirkungen und Verbrauch an Morphin verbunden mit einer hohen Patientenzufriedenheit.