CC BY-NC-ND 4.0 · Laryngorhinootologie 2018; 97(S 02): S181
DOI: 10.1055/s-0038-1640340
Abstracts
Otologie: Otology
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Korrektursaccaden oder Verstärkungsfaktor beim Videokopfimpulstest: Wer ist aussagekräftiger?

KF Hamann
1  HNO-Klinik Bogenhausen (Gaertener-Klink), München
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Publication Date:
18 April 2018 (online)

 

Einleitung:

Beim Videokopfimpulstest (V-KIT) stellt sich die Frage, welcher Parameter die größere Aussagekraft besitzt: das Auftreten von Korrektursaccaden oder der Verstärkungsfaktor (gain). Ziel dieser Untersuchung war es, an drei häufigen neurootologischen Krankheitsbildern einen Vergleich durchzuführen, welcher der Parameter am besten geeignet ist.

Methodik:

Das Gesamtkollektiv umfasste 240 Patienten, 90 Neuropathia vestibularis (NV), 100 M. Menière (MM) und 50 Patienten mit einer vestibulären Migräne (VM). Der Nachweis von Korrektursaccaden sowie eine Erniedrigung des Verstärkungsfaktors unter 0,85 oder eine Seitendifferenz von > 10% wurde als pathologischer Befund gewertet.

Ergebnisse:

Die Gesamtanalyse ergab eine Übereinstimmung von Saccaden und Verstärkungsfaktor in 68,4%, in 31,6% nicht. Für die einzelnen Krankheitsbilder fielen die Befunde unterschiedlich aus. Bei der NV spiegelte sich die erkrankte Seite in 78% im Auftreten von Saccaden wider, aber nur in 53% durch einen erniedrigten Verstärkungsfaktor. Für den MM betrug das Verhältnis 42% für das Auftreten von Korrektursaccaden und 40% für den erniedrigten Verstärkungsfaktor, bei der vestibulären Migräne zeigte sich in 100% keine Korrektursaccaden, in 26% aber ein erniedrigter Verstärkungsfaktor.

Schlussfolgerungen:

Das Auftreten von Korrektursaccaden entspricht in etwa 2/3 der Fälle einem erniedrigten Verstärkungsfaktor, in etwa 1/3 nicht. Das Auftreten von Korrektursaccaden hat sich als der aussagekräftigere Parameter erwiesen, besonders eindrucksvoll bei der NV und bei der VM. Als Gründe für die schwächere Aussagekraft des Verstärkungsfaktors kommen methodenbedingte Ursachen in Frage, aber auch physiologische Faktoren.