CC BY-NC-ND 4.0 · Laryngorhinootologie 2018; 97(S 02): S205-S206
DOI: 10.1055/s-0038-1640422
Abstracts
Otologie: Otology
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Seltene Differenzialdiagnose der beidseitigen Fazialisparese

E Knöller
1  HNO Universitätsklinik Ulm, Ulm
,
AS Grossi
2  HNO Universitätsklinik, Ulm
,
E Goldberg-Bockhorn
2  HNO Universitätsklinik, Ulm
› Author Affiliations
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Publication History

Publication Date:
18 April 2018 (online)

 

Einleitung:

Die granulomatöse Polyangiitis (GPA) ist eine systemische Vaskulitis mit Befall der kleinen und mittelgroßen Arterien. Sie manifestiert sich häufig durch nekrotisierende Granulome im Respirationstrakt begleitet von einer schweren Glomerulonephritis. Symptome im HNO-Bereich wie sinusitische Beschwerden oder chronische Otitis media liegen bei über 90% der Patienten bei Diagnosestellung vor. Eine Beteiligung anderer Organsysteme wie z.B. der Augen oder des Nervensystems sind äußerst selten.

Kasusitik: Eine 60-jährige Patientin stellte sich mit einer progredienten beidseitigen peripheren Fazialisparese vor. Die Beschwerden hatten vor 5 Monaten mit Otorrhoe beidseits begonnen. Trotz mehrfacher antibiotischer Therapie und der Einlage von Paukenröhrchen hatte sich ein beidseitiger Innenohrschaden sowie zunächst eine Fazialisparese der rechten Seite entwickelt. Im externen Krankenhaus waren daraufhin eine rechtsseitige Mastoidektomie und systemische Steroidgabe erfolgt. An weiteren Symtomen lagen eine Ageusie und beidseitige Konjunktivitis vor. Familienanamnese und Rheumaserologie lenkten den Verdacht auf eine GPA. Unter immunsuppressiver Therapie normalisierte sich der Ohrbefund, während die beidseitige Fazialisparese bisher keine wesentliche Besserung zeigte.

Schlussfolgerung:

Initial präsentiert sich die GPA häufig durch Beteiligung des HNO-Bereiches. Unspezifische Symptome verzögern dabei regelmäßig die Diagnosefindung, sodass bei prolongiertem Heilungsverlauf sinugener oder otogener Erkrankungen auch seltene Differentialdiagnosen wie diese bedacht werden sollten. Durch eine rasche, adäquate Therapie können schwere Verläufe und Komplikationen wie die seltene beidseitige Fazialisparese meist vermieden oder zumindest abgemildert werden.