CC BY-NC-ND 4.0 · Laryngorhinootologie 2018; 97(S 02): S231
DOI: 10.1055/s-0038-1640512
Abstracts
Otologie: Otology
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Exekutive Funktionen: Untersuchung der Reaktionszeiten bei schwerhörigen und normalhörenden Personen

M Pertz
1  Cochlea-Implantat-Zentrum Ruhrgebiet, Bochum
,
JP Thomas
2  Klinik für HNO-Heilkunde der Ruhr-Universität Bochum, Bochum
,
S Dazert
2  Klinik für HNO-Heilkunde der Ruhr-Universität Bochum, Bochum
,
C Völter
2  Klinik für HNO-Heilkunde der Ruhr-Universität Bochum, Bochum
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Publication History

Publication Date:
18 April 2018 (online)

 

Exekutive Funktionen sind als übergeordnete kognitive Funktionen von entscheidender Bedeutung für eine erfolgreiche Verhaltensanpassung in alltäglichen Situationen. Zudem wird eine Assoziation zwischen Kognition und Hören seit langem diskutiert. Ziel der Arbeit war es, zu untersuchen, ob eine Höreinschränkung auch Auswirkungen auf die Geschwindigkeit der Informationsverarbeitung visueller Stimuli zeigt.

In der Klinik für HNO-Heilkunde der Ruhr-Universität Bochum wurden verschiedene neurokognitive Funktionen in einer computerbasierten Testung bei 73 Patienten mit einer hochgradigen Schwerhörigkeit (M = 64.52 Jahre, SD = 9.10), die sich zu einer CI-Operation vorstellten, untersucht. Dabei wurden nicht nur die allgemeine Performance, sondern auch die Fehlerrate und die Reaktionsgeschwindigkeit (RT) ausgewertet. Zudem wurden 83 Personen mit einem nach WHO-Kriterien normalem Hörvermögen (M = 65.02 Jahre, SD = 9.12) eingeschlossen. Beide Gruppen waren im Hinblick auf Alter, Geschlecht und allgemeine Intelligenz, gemessen am MWT-B, vergleichbar. Neurologische, psychiatrische Erkrankungen sowie Sehstörungen lagen nicht vor.

Die hörgeschädigte Gruppe zeigte eine signifikant langsamere Verarbeitung kompatibler Informationen (p = 0.034). Zudem fanden sich eine signifikant längere RT im Arbeitsgedächtnis bezogen auf den Operation Span (p = 0.036) und den 2-back (p = 0.001). Für Aufmerksamkeitsfunktionen zeigte sich kein Effekt der Höreinschränkung auf die RT (p = 0.134).

Die dargestellten Ergebnisse legen nahe, dass es vermutlich als Folge der Hörminderung durch einen „cognitive overload“ zu einer stärkeren Beanspruchung exekutiver Funktionen kommt. Ob sich diese durch eine Cochlea Implantation verbessern lassen, müssen weitere Studien zeigen.