CC BY-NC-ND 4.0 · Laryngorhinootologie 2018; 97(S 02): S232
DOI: 10.1055/s-0038-1640516
Abstracts
Otologie: Otology
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Diagnostik und Therapie bei intralabyrinthären Schwannomen

S Plontke
1  Universitäts-HNO-Klinik, Halle/S.
,
S Kösling
2  Klinik für Radiologie, Halle/S.
,
N Pazaitis
3  Institut für Pathologie, Halle/S.
,
P Caye-Thomasen
4  Rigshospital Kopenhagen, Kopenhagen, Dänemark
,
T Rahne
1  Universitäts-HNO-Klinik, Halle/S.
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Publication History

Publication Date:
18 April 2018 (online)

 

Intralabyrinthäre Schwannome (ILS) sind eine seltene Differenzialdiagnose des Hörsturzes und von Schwindelbeschwerden.

In einer eigenen Fallserie von 23 Patienten fanden sich die Tumoren 11-mal intracochleär, 3-mal intravestibulär, 3-mal intravestibulocochleär, 3-mal transmodiolär (inklusive 1-mal mit Ausdehnung in den KHBW), 2-mal multilokulär und 1-mal transotisch mit Ausdehnung in den KHBW. Bei 15 Fällen erfolgte die chirurgische Tumorentfernung mittels Labyrinthektomie (x3), erweiterte Cochleostomie (x1), partielle oder subtotale Cochleoektomie (x9) oder einen kombinierten translabyrinthär-transotische Tumorentfernung aus dem inneren Gehörgang (x2). Elf Patienten erhielten eine gleichzeitige Cochleaimplantat(CI)-Operation.

Die Gleichgewichtsfunktion konnte bei den Patienten mit intracochleären Tumoren partiell erhalten werden. In allen Fällen mit Cochleaimplantation war die Hörrehabilitation mittels CI erfolgreich, wenn auch mit eingeschränktem Sprachverstehen bei einem Fall mit subtotaler Cochleoektomie.

Für die Diagnostik von ILS gilt die dünnschichtige, Schläfenbein-MRT mit KM als Goldstandard. Eine operative Entfernung intracochleär wachsender ILS sollte erfolgen, bevor diese die Cochlea komplett ausfüllen und/oder in den inneren Gehörgang vorwachsen. Eine chirurgische Tumorentfernung durch eine partielle oder subtotale Cochleoektomie ist auch mit Erhalt der Funktion des Gleichgewichtsorgans prinzipiell möglich. Die Indikation zur Radiotherapie von ILS ist nur in Einzelfällen gegeben. Die CI-Versorgung nach operativer Entfernung eines ILS ist prinzipiell eine Option zur auditorischen Rehabilitation. Sie stellt bei rechtzeitiger Indikationsstellung im Gegensatz zum abwartenden Verhalten („Wait-and-test-and-scan-Strategie“) einen therapeutischen Ansatz dar.