CC BY-NC-ND 4.0 · Laryngorhinootologie 2018; 97(S 02): S243
DOI: 10.1055/s-0038-1640554
Abstracts
Otologie: Otology
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Sensitivität für interaurale Zeitunterschiede in einem neuen Tiermodell für bilaterale Cochlea-Implantat Nutzer

N Roßkothen-Kuhl
1  Universitätsklinikum Freiburg, HNO-Klinik, Freiburg
,
AN Buck
2  Hearing Research Group, Department of Biomedical Sciences, City University of Ho, Hong Kong, Hong Kong, China
,
K Li
2  Hearing Research Group, Department of Biomedical Sciences, City University of Ho, Hong Kong, Hong Kong, China
,
A Prasad Mishra
2  Hearing Research Group, Department of Biomedical Sciences, City University of Ho, Hong Kong, Hong Kong, China
,
JW Schnupp
2  Hearing Research Group, Department of Biomedical Sciences, City University of Ho, Hong Kong, Hong Kong, China
› Author Affiliations
The work leading to this publication was supported by the German Academic Exchange Service (DAAD) with funds from the German Federal Ministry of Education and Research (BMBF) and the People Programme (Marie Curie Actions) of the European Union's Seventh Framework Programme (FP7/2007 – 2013) under REA grant agreement n° 605728 (P.R.I.M.E. – Postdoctoral Researchers International Mobility Experience).
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Publication Date:
18 April 2018 (online)

 

Die Lokalisation von Schall ist eine der größten Herausforderungen für bilaterale Cochlea-Implantat (CI) Patienten. Um maximalen Nutzen aus zwei CIs zu ziehen, ist weitere Forschung in Tiermodellen erforderlich um zu verstehen, wie Parameter wie die interaurale Synchronisation die binaurale Verarbeitung in zentralen Hörzentren von CI-Patienten beeinflussen.

Wir präsentieren die neonatal ertaubte Ratte als neues Modell zur Untersuchung des binauralen Gehörs unter elektrischer intrakochleärer Stimulation. Jung-erwachsene Ratten erhielten bilateral CIs und wurden entweder in einem selbst entwickelten Verhaltenssetup für interaurale Zeitdifferenz (ITD)-basierte Lokalisationsaufgaben trainiert, oder es wurde elektrophysiologisch die ITD-Sensitivität von Neuronen des inferioren Colliculus (IC), zentrale Region für Schallortung, bestimmt.

Die ITD-Sensitivität variierte über den physiologischen Bereich der Ratte, von +/-0,16 ms (rechtes/linkes Ohr). Insgesamt wurden elektrische ITD-Tuningkurven für 898 Multi-Units im IC von 4 tauben CI-versorgten Ratten abgeleitet. Alle Units wurden durch die elektrischen Stimuli aktiviert, und die Mehrheit (87,6%) der Units war sensitiv für ITDs aus der kontralateralen oder zentralen Hemisphäre. In einer Zwei-Alternativen-ITD-Diskriminierungsaufgabe lernten die Ratten Schall über ITD zu lokalisieren. Die durchschnittliche Wahrscheinlichkeit für eine richtige Antwort stieg auf ca. 90% pro 100µs ITD, eine Verhaltenssensitivität ähnlich der bei normalhörenden Ratten.

Taube, CI-versorgte Ratten können ITD verwenden um Schallquellen zu lokalisieren. Unsere Ergebnisse zeigen, dass es grundsätzlich möglich sein sollte ITD-Codierung in zukünftige CI-Designs zu integrieren. Die Ratte ist ein gutes Modell um Forschung auf diesem Gebiet voranzutreiben.