CC BY-NC-ND 4.0 · Laryngorhinootologie 2018; 97(S 02): S263
DOI: 10.1055/s-0038-1640624
Abstracts
Otologie: Otology
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Erkennen emotionaler Anteile in der Sprache von Normalhörenden und CI Trägern

J Stockhausen
1  Institut für Psychologie, Koblenz
,
H Thoma
1  Institut für Psychologie, Koblenz
,
R Jacob
2  BwZKrhs HNO Klinik, Koblenz
,
M Rahe
1  Institut für Psychologie, Koblenz
,
C Quaiser-Pohl
1  Institut für Psychologie, Koblenz
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Publication History

Publication Date:
18 April 2018 (online)

 

Sprache besteht aus sachlicher und aus emotionalen Informationen. Für die zwischenmenschliche Beziehung ist das Erkennen der Emotion im Gesprochenen von großer Bedeutung. Hierdurch können wir das Gesagte einordnen und die Intention des Senders bewerten. Fehlt diese emotionale Information, dann führt dies zur Verunsicherung, Skepsis, Misstrauen und Missverständnissen.

Diese Problematik kommt durch Schwerhörigkeit besonders zum Tragen. In der Studie wurden normalhörende (n = 25) und CI Träger (n = 20) untersucht, inwieweit sie in der Lage sind die typischen Grundemotionen (Wut, Freude, Trauer und Ärger) in der gesprochenen Sprache zu erkennen. Hierzu wurden inhaltlich sinnlose Texte (Oldenburger Satztest mit jeweils 5 Wörtern ohne Sinn) mit diesen Emotionen eingesprochen. Im Tonstudio wurden diese Elemente zu kurzen (˜10 Sekunden) und langen (˜20 Sekunden) Beispielen zusammengesetzt und mittels standardisiertem Fragebogen ausgewertet.

Die Studie zeigt deutlich, dass CI Träger signifikant schlechter die emotionale Komponente in der Sprache erkennen, die Variabilität zwischen den CI Nutzern ist erheblich. Bestimmte emotionale Anteile (Wut und Ärger) werden dabei signifikant schlechter erkannt als die anderen (Freude und Trauer).

Das emotionale Hören ist bei Schwerhörigkeit deutlich mehr eingeschränkt, als das Sprachverstehen. Auch die Rehabilitation mit CI erreicht hier nur selten einen Ausgleich. Dies deckt sich mit der Musik-Hörqualität, den CI Nutzer berichten. Da diese Unsicherheit häufig zu Misstrauen, Missverständnissen und Verunsicherung führt, ist eine soziale Isolierung, Angst und Aggressivität oft die Folge. Dies kann auch in Altenheimen beobachtet werden. Daher ist die optimierte Rehabilitation des emotionalen Hörverstehens von großer Bedeutung.