CC BY-NC-ND 4.0 · Laryngorhinootologie 2018; 97(S 02): S269
DOI: 10.1055/s-0038-1640644
Abstracts
Otologie: Otology
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Patienten mit idiopatischem Hörsturz im Vergleich zu Patienten mit plötzlichem sensorineuralen Hörverlust nicht-idiopathischer Ursache: eine epidemiologische multizentrische Studie in Thüringen

J Thielker
1  Universitätsklinikum Jena, Jena
,
A Heuschkel
2  Helios Klinikum Erfurt, Erfurt
,
D Böger
3  SRH Zentralklinikum Suhl, Suhl
,
J Büntzel
4  Südharz Klinikum Nordhausen gGmbH, Nordhausen
,
D Eßer
2  Helios Klinikum Erfurt, Erfurt
,
K Hoffmann
5  Sophien und Hufeland Klinikum Weimar, Weimar
,
P Jecker
6  Klinikum Bad Salzungen GmbH, Bad Salzungen
,
A Müller
7  SRH Wald-Klinikum Gera, Gera
,
G Radtke
8  Ilm-Kreis-Kliniken Arnstadt-Ilmenau gGmbH, Arnstadt
,
O Guntinas-Lichius
1  Universitätsklinikum Jena, Jena
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Publication History

Publication Date:
18 April 2018 (online)

 

Einleitung:

Ziel der Arbeit war, stationäre Patienten mit idiopathischem (ISSNHL) und nicht idiopathischem plötzlichem sensorineuralen Hörverlust (NISSNHL) hinsichtlich Häufigkeit, Hörverlust, Behandlung und Outcome zu vergleichen.

Methoden:

Es wurden alle 574 (51% männlich, medianes Alter: 60 Jahre) Patienten der Jahre 2011 und 2012, die in ganz Thüringen mit ISSNHL und NISSNHL stationär behandelt wurden, mittels uni- und multivariaten Testverfahren analysiert.

Ergebnisse:

490 Patienten (85%) hatten einen ISSNHL, 84 (15%) einen NISSNHL. Ursachen waren akute Otitis media (46%), Varizella-Zoster (VZV)- und Borrelieninfektionen (37%), Morbus Menière (10%) und andere (7%). ISSNHL und NISSNHL zeigten keinen Unterschied in Alter, Geschlechterverteilung, der Seite des Hörverlustes, des Hörverlusttyps, dem Auftreten von Tinnitus oder Schwindel und Komorbidität. 45% der Patienten mit ISSNHL und 35% mit NISSNHL hatten vor der Aufnahme eine ambulante Therapie (p < 0,001). Der Zeitraum bis zum stationären Behandlungsbeginn betrug bei den Patienten mit ISSNHL 7,7 Tage und bei denen mit NISSHL 8,9 Tage (p = 0,02). Der initiale Hörverlust der drei am stärksten betroffenen Frequenzen im Reintonaudiogramm (3PTAmax) betrug bei ISSNHL 66,7dB, bei NISSNHL 63,3dB. 3PTAmax bei akuter Otitis media war mit 60dB geringer als bei VZV- und Borrelieninfektionen (76,76dB; p = 0,015). Der absolute mediane Hörgewinn (Δ3PTAabs) betrug insgesamt 10dB, bei ISSNHL 10dB und bei NISSHL 11,7dB. 48% der Patienten mit ISSNHL und 62% mit NISSHL erreichten einen Δ3PTAabs von ≥10dB (p = 0,02).

Schlussfolgerung:

ISSNHL und NISSNHL unterscheiden sich nicht hinsichtlich ihres Hörverlusts oder ihrer epidemiologischen Daten. NISSNHL ist häufiger mit einem positiven Outcome vergesellschaftet.