Senologie - Zeitschrift für Mammadiagnostik und -therapie 2018; 15(02): e7
DOI: 10.1055/s-0038-1651688
Abstracts
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Decision Coaching durch spezialisierte Pflegefachkräfte für Frauen mit duktalem Carcinoma in situ: eine cluster-randomisiert-kontrollierte Studie

B Berger-Höger
1   Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Medizinische Fakultät, Institut für Gesundheits- und Pflegewissenschaft, Halle (Saale), Deutschland
2   Universität Hamburg, MIN-Fakultät, Gesundheitswissenschaften, Hamburg, Deutschland
,
K Liethman
3   Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel, Kiel, Deutschland
,
I Mühlhauser
2   Universität Hamburg, MIN-Fakultät, Gesundheitswissenschaften, Hamburg, Deutschland
,
B Haastert
4   mediStatistica, Neuenrade, Deutschland
,
A Steckelberg
1   Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Medizinische Fakultät, Institut für Gesundheits- und Pflegewissenschaft, Halle (Saale), Deutschland
› Author Affiliations
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Publication History

Publication Date:
22 May 2018 (online)

 

Zielsetzung:

Die Umsetzung der informierten gemeinsamen Entscheidungsfindung (ISDM) wird von Frauen gefordert und ist in der S3-Leitlinine Mammakarzinom vorgesehen. Zur Implementierung wurde eine komplexe Intervention entwickelt, in der Frauen mit duktalem Carcinoma in situ (DCIS) nach der Diagnosemitteilung eine evidenzbasierte Entscheidungshilfe und ein Decision Coaching durch spezialisierte Pflegende erhalten. Wir evaluierten, inwieweit die Intervention die Einbeziehung der Patientinnen in den Entscheidungsprozess verbessert.

Methoden:

Die Intervention (IG) wurde in einem teil-verblindeten cluster-RCT mit 16 Brustzentren mit der Standardversorgung (KG) verglichen. Einschlusskriterium für Patientinnen: histologisch gesichertes, primäres DCIS; primärer Endpunkt: Ausmaß der Patientenbeteiligung an der Entscheidungsfindung gebildet über den Mittelwert von 11 ISDM-Indikatoren (MAPPIN-ODYAD; Likert-Skala: 0 = Kompetenz nicht beobachtet – 4 = exzellente Ausführung; Analyse der Video-aufgezeichneten Gespräche durch 2 Rater); sekundäre Endpunkte: u.a. Informierte Entscheidung und Gesprächsdauer, primäre Analyse auf Clusterebene. Registrierung ISRCTN46305518.

Ergebnisse:

14 Zentren rekrutierten 67 Patientinnen (geplant 192) (IG: 37; KG: 30; ausgewertet nach modifiziertem intention-to-treat: IG: 36; KG: 28). Das Ausmaß der Patienteneinbeziehung in die Entscheidungsfindung war in der IG signifikant höher (MAPPIN-ODYAD (SD) IG: 2,29 (0,6) vs. KG: 0,42 (0,5); Differenz:1,88 (95% CI 1,26 – 2,50; p < 0,0001). Frauen in der IG trafen häufiger informierte Entscheidungen (47,7% (37,9%) vs. 0%; Differenz 47,7% (95% CI12,6 – 82,7%; p = 0,016).

Die mittlere Gesamtgesprächsdauer des Decision Coachings betrug 47,5 (9,6) Min. und der Arztgespräche IG: 12,8 (6,6) vs. KG: 24,3 (6,3) Min. Es wurden diverse Barrieren identifiziert.

Zusammenfassung:

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass in der Standardversorgung bislang kein ISDM stattfindet und Decision Coaching mit einer Entscheidungshilfe die Einbeziehung der Patientinnen in den Entscheidungsprozess verbessert. Vor einer Implementierung müssen die Barrieren adressiert werden.