Psychother Psych Med 2018; 68(08): e32-e33
DOI: 10.1055/s-0038-1667958
SYMPOSIEN
Soziale Ungleichheit
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Wachsende gesundheitliche Ungleichheiten in der Multimorbidität? Eine Analyse der Zeittrends in der erwerbstätigen Bevölkerung auf der Basis von Krankenversicherungsdaten

J Tetzlaff
1  Hannover, Deutschland
,
J Epping
1  Hannover, Deutschland
,
S Sperlich
2  Medizinische Hochschule Hannover, Medizinische Soziologie, Hannover, Deutschland
,
S Geyer
2  Medizinische Hochschule Hannover, Medizinische Soziologie, Hannover, Deutschland
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Publikationsverlauf

Publikationsdatum:
06. August 2018 (online)

 

Einleitung:

Die bisherige Forschung zeigt, dass auch in Bezug auf Multimorbidität gesundheitliche Ungleichheiten bestehen. Bisher ist jedoch wenig darüber bekannt, ob sich die Ungleichheiten im Zeitverlauf abschwächten oder verstärkten. Daher wird anhand der erwerbstätigen Bevölkerung im mittleren und höheren Alter untersucht, ob sich die Zeittrends im Auftreten von Multimorbidität zwischen den sozioökonomischen Status (SES) Gruppen unterscheiden.

Material & Methoden:

Die Studie basiert auf den Daten der AOK Niedersachsen der Jahre 2005 bis 2015. Für die Analysen stehen die Daten von insgesamt 700.781 erwerbstätigen Versicherten im Alter zwischen 40 und 65 Jahren zur Verfügung. Dabei kann auf drei SES-Indikatoren zurückgegriffen werden: das Bildungsniveau, das Einkommen und die berufliche Position. Multimorbidität wurde auf Basis von 45 Diagnosegruppen definiert, die die bedeutendsten chronischen Erkrankungen im höheren Alter abdecken. Das Prävalenzrisiko in den unterschiedlichen SES-Gruppen wurde mittels logistischer generalized estimation equation (GEE) Modelle geschätzt. Die aus den Regressionsmodellen geschätzte Wahrscheinlichkeit der Multimorbiditätsprävalenz dient der Analyse der Entwicklung der absoluten Ungleichheiten.

Ergebnisse:

Das Prävalenzrisiko stieg im Zeitverlauf in allen SES-Gruppen an. Es wurden deutliche soziale Gradienten gefunden, die über die gesamte Beobachtungsdauer erhalten bleiben. Zudem konnten wachsende Ungleichheiten festgestellt werden. Insbesondere Männer mit niedrigem Bildungsniveau, aber auch Frauen in niedrigen beruflichen Positionen, wurden dabei zunehmend benachteiligt.

Diskussion:

Der Trend des allgemeinen Anstiegs der Multimorbidität zeigt sich auch in der Gruppe der Erwerbstätigen. Diese Anstiege werden von wachsenden gesundheitlichen Ungleichheiten begleitet, wodurch erwerbstätige Männer und Frauen mit niedrigem SES zunehmend stärker benachteiligt werden. Um Ansatzpunkte zur Reduktion der Ungleichheiten zu finden, bedarf es weiterer Forschung darüber, wie z.B. Veränderungen in den Lebensstilen, der Prävention und den Arbeitsbedingen zu diesem Trend beigetragen haben.

Schlussfolgerung:

Die wachsende Ungleichheit unterstreicht die Relevanz von Maßnahmen, die ihren Fokus auf den Erhalt der Gesundheit und die Reduktion sozialer Benachteiligung legen.