Geburtshilfe Frauenheilkd 2018; 78(10): 121
DOI: 10.1055/s-0038-1671113
Poster
Donnerstag, 01.11.2018
Pränatal- und Geburtsmedizin I
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Blutverlust und Transfusionsmanagement bei postpartaler Notfallhysterektomie an einem Level I Perinatalzentrum

A de Gregorio
1  Universitätsfrauenklinik Ulm, Ulm, Deutschland
,
N de Gregorio
1  Universitätsfrauenklinik Ulm, Ulm, Deutschland
,
T Friedl
1  Universitätsfrauenklinik Ulm, Ulm, Deutschland
,
C Scholz
1  Universitätsfrauenklinik Ulm, Ulm, Deutschland
,
W Janni
1  Universitätsfrauenklinik Ulm, Ulm, Deutschland
,
F Ebner
2  Klinik für Frauenheilkunde, HELIOS Amper Klinik Dachau, Dachau, Deutschland
,
G Fröba
3  Klinik für Anästhesiologie, Universitätsklinikum Ulm, Ulm, Deutschland
› Author Affiliations
Further Information

Publication History

Publication Date:
20 September 2018 (online)

 

Zielsetzung:

Die postpartale Notfallhysterektomie (PH) ist die letzte Therapiemöglichkeit bei schwersten postpartalen Hämorrhagien und ist mit hohem Blutverlust verbunden. Um den tatsächlichen Blutverlust sowie das damit verbundene Transfusionsmanagement bei einer notfallmäßigen PH besser beurteilen zu können, wurden aller Fälle an einem Level-I-Perinatalzentrum der letzten Jahren systematisch analysiert.

Material/Methoden:

Bei 32.047 Geburten an der Universitätsfrauenklinik Ulm zwischen 2003 und 2016 wurden insgesamt 41 PHs durchgeführt. Daten zu Patientencharakteristika, Morbidität und Mortalität sowie operativem und anästhesiologischen Management wurden retrospektiv ausgewertet.

Ergebnisse:

Die Mortalität der PH betrug bei einer Inzidenz von 12,8 PHs pro 10.000 Geburten 2,4%. Der vorangegangene Geburtsmodus war meist Sectio (80,5%, n = 33). Insgesamt stieg die Inzidenz von 0,05 PHs/100 Geburten im Jahr 2004 auf 0,3 PHs/100 Geburten im Jahr 2016. Indikationen für die PH waren Plazentationsstörungen (53,7%; n = 22), Uterusatonie (26,8%; n = 11), uterine Verletzungen (14,6%; n = 6) und selten Infektionen (4,9%; n = 2). Der vom Operateur geschätzte Blutverlust betrug im Median 4500 ml (150 – 20000 ml) und korrelierte dabei statistisch signifikant mit dem tatsächlich transfundierten Volumen (p < 0,001). Dabei lag der durchschnittliche Transfusionsbedarf bei 11 Erythrozytenkonzentraten (0 – 55), 10 Fresh-Frozen-Plasmas (1 – 43) und 2 Thrombozytenkonzentraten (0 – 16).

Diskussion:

Bei der PH handelt es sich um einen Hochrisikoeingriff, der häufig mit einer Massentransfusion einhergeht. Insbesondere im Wissen um die steigende Inzidenz der PH sollte die präoperative Identifizierung von Hochrisikopatientinnen verbessert werden und die Behandlung dieser Patientinnen an einer Klinik erfolgen, die über die notwendigen Versorgungsstrukturen und Ressourcen verfügt.