Geburtshilfe Frauenheilkd 2018; 78(10): 134-135
DOI: 10.1055/s-0038-1671156
Poster
Donnerstag, 01.11.2018
Pränatal- und Geburtsmedizin V
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Berufsgruppenspezifisches Risiko für eine Infektion mit Q-Fieber – wie gefährdet sind Hebammen und Ärzte im Kreissaal tatsächlich?

K Künzer
1  Universitätsklinikum Jena, Klinik für Kinder und Jugendpsychiatrie, Jena, Deutschland
,
U Moog
2  Thüringer Tierseuchenkasse, Jena, Deutschland
,
K Boden
3  Universitätsklinikum Jena, Institut für Medizinische Mikrobiologie, Jena, Deutschland
,
T Groten
4  Universitätsklinikum Jena, Geburtshilfe, Jena, Deutschland
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Publikationsverlauf

Publikationsdatum:
20. September 2018 (online)

 

Zielsetzung:

Q-Fieber ist eine durch Coxiella burnetii verursachte Infektion. Die Übertragung auf den Menschen erfolgt meist durch das Einatmen von Staub oder Aerosolen, in denen Coxiella burnetii in einer extrem umweltresistenten Überlebensform mit hoher Infektiösität vorliegt. Die Erkrankungssymptome reichen von asymptomatisch bis schwer. Q-Fieber kann chronifizieren und letal sein. Infizierte Tiere, meist Schafe und Ziegen, scheiden den Erreger in besonders hoher Konzentration über die Nachgeburt im Rahmen der Niederkunft aus. Große humanen Ausbrüche wurden fast ausschließlich im Rahmen von Bauermärkten beschrieben, auf denen es zu Ablammungen kam und eine räumliche Nähe von Mensch und Tier bestand. In der Literatur sind Fallbeispiele beschrieben, bei denen Geburtshelfer nach Entbindung von infizierten Schwangeren schwer an Q-Fieber erkrankten. In Deutschland gelten deshalb strenge Hygienevorschriften, die für eine Entbindung von Patientinnen mit Coxiella burnetii Nachweis das Tragen von Schutzkittel und Mund-Nasen-Schutz vorschreibt. Ziel der vorliegenden Untersuchung war es die Seroprävalenz von Antikörpern gegen Coxiella burnetii bei verschiedenen Berufsgruppen mit Kontakt zu Geburtsprodukten zu untersuchen.

Methoden:

Durchgeführt wurde eine Querschnittsstudie an insgesamt 77 Schäfern, 14 Rinderhaltern, 74 Tierärzten, 17 Tierärzten mit Behördentätigkeit und 68 in der Geburtshilfe Tätigen sowie 92 Blutspendern als Kontrollgruppe.

Ergebnisse:

In den Berufsgruppen mit Tierkontakt zeigte sich eine hohe Seroprävalenz von 64 – 77% im Vergleich zu 2,25 in der Kontrollgruppe. Bei den Geburtshelfern und Hebammen konnte in keinem Fall ein Antikörpernachweis erbracht werden.

Zusammenfassung:

Ein berufsgruppenspezifisches Risiko für eine Infektion mit Q-Fieber konnte für Berufsgruppen mit Tierkontakt nachgewiesen und für Geburtshelfer ausgeschlossen werden. Die strengen Hygienevorschriften im Bezug auf Q-Fieber sollten re-evaluiert werden.