Geburtshilfe Frauenheilkd 2018; 78(10): 135
DOI: 10.1055/s-0038-1671158
Poster
Donnerstag, 01.11.2018
Pränatal- und Geburtsmedizin V
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Hyperimmunglobuline zur intrauterinen CMV-Transmissionsprophylaxe bei CMV-Erstinfektion in der Schwangerschaft – erste Ergebnisse einer retrospektiven Kohortenstudie

M Hackelöer
1  Charité – Universitätsmedizin Berlin, corporate member of Freie Universität Berlin, Humboldt-Universität zu Berlin, and Berlin Institute of Health, Klinik für Geburtsmedizin, Campus Virchow-Klinikum, Berlin, Deutschland
,
V Seidel
1  Charité – Universitätsmedizin Berlin, corporate member of Freie Universität Berlin, Humboldt-Universität zu Berlin, and Berlin Institute of Health, Klinik für Geburtsmedizin, Campus Virchow-Klinikum, Berlin, Deutschland
,
W Henrich
1  Charité – Universitätsmedizin Berlin, corporate member of Freie Universität Berlin, Humboldt-Universität zu Berlin, and Berlin Institute of Health, Klinik für Geburtsmedizin, Campus Virchow-Klinikum, Berlin, Deutschland
,
JP Siedentopf
1  Charité – Universitätsmedizin Berlin, corporate member of Freie Universität Berlin, Humboldt-Universität zu Berlin, and Berlin Institute of Health, Klinik für Geburtsmedizin, Campus Virchow-Klinikum, Berlin, Deutschland
› Author Affiliations
Further Information

Publication History

Publication Date:
20 September 2018 (online)

 

Einleitung:

Eine kongenitale CMV-Infektion ist weltweit die häufigste Ursache für Hörverlust und eine wichtige Ursache für mentale Retardierung von Kindern ohne genetische Grunderkrankung. Die Datenlage zur Reduktion der intrauterinen Transmission sowie von Nebenwirkungen durch Hyperimmunglobuline (HIG) wird kontrovers diskutiert.

Methodik:

Es handelt sich um eine retrospektive Kohortenstudie. Schwangere, die im Zeitraum von 01/2010 bis 03/2017 in der „Ambulanz für Suchterkrankungen und Infektionen in der Schwangerschaft“ an der Klinik für Geburtsmedizin eine intravenöse off-label CMV-HIG Therapie zum Ziel der Transmissionsprophylaxe erhielten, wurden eingeschlossen und im Januar 2018 kontaktiert. Sie wurden gebeten, einen Fragebogen zum Schwangerschaftsverlauf und der postnatalen Entwicklung ihres Kindes auszufüllen. Es wurden folgende Fragestellungen untersucht:

  1. Wird die CMV-Transmissionshäufigkeit nach HIG-Therapie reduziert?

  2. Ist die Häufigkeit geburtsmedizinischer Komplikationen nach HIG-Therapie erhöht?

Ergebnisse:

Die Einschlusskriterien erfüllten 62 Schwangere. Bis März 2018 antworteten 35 Patientinnen. Dies entspricht einer Rücklaufquote von 56%.

  1. Bei 9 Neugeborenen kam es zu einer kongenitalen Infektion. Eine Patientin entschied sich, aufgrund nachgewiesener CMV-assoziierter Veränderungen beim Kind, zum Schwangerschaftsabbruch. Dies entspricht einer Transmissionshäufigkeit von 26%. Drei Neonaten erhielten postnatal eine Valganciclovir-Therapie. Im Follow-up zeigten sich 8 Kinder ohne bleibenden Folgeschäden.

  2. Es wurden keine relevanten geburtsmedizinischen Komplikationen durch HIG-Therapie beobachtet. Im Durchschnitt wurden die Kinder in der 40. Schwangerschaftswoche geboren.

Schlussfolgerung:

In der vorläufigen Zwischenanalyse unserer retrospektiven Kohortenstudie zeigt sich eine Reduktion der CMV-Transmissionsrate unter HIG-Therapie auf 26% im Vergleich mit der in der Literatur angegebenen Häufigkeit von 40%. Die Gabe von HIG in der Schwangerschaft erscheint sicher. Eine abschließende Beurteilung folgt nach Studienabschluss.