Geburtshilfe Frauenheilkd 2018; 78(10): 145-146
DOI: 10.1055/s-0038-1671190
Poster
Donnerstag, 01.11.2018
Pränatal- und Geburtsmedizin IX
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Elterliche Überforderung als Alarmsignal ernst nehmen – Das Projekt Babylotse demnächst in allen Berliner Geburtskliniken?!

C Klapp
1  Charité – Universitätsmedizin Berlin, Klinik für Geburtsmedizin, Berlin, Deutschland
2  AG Babylotse Berlin (Vivantes Neukölln, Helios Buch, St.Joseph Tempelhof, Waldkrankenhaus Spandau, Martin Luther KH Wilmersdorf, Sana Lichtenberg), Berlin, Deutschland
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S Preißel
1  Charité – Universitätsmedizin Berlin, Klinik für Geburtsmedizin, Berlin, Deutschland
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Publication History

Publication Date:
20 September 2018 (online)

 

Zielsetzung:

Überforderung ist häufig ein Risikoindikator für Kindeswohlgefährdung. Diese rechtzeitig zu erkennen und durch nachhaltige Angebot und Überleitung (Lotsendienste) zu unterstützenden Institutionen zu vermeiden, gehört zu den häufigsten Herausforderungen im Präventiven Kinderschutz. Dieser erfordert einen systematischen und frühzeitigen und damit rechtzeitigen Zugang zu psychosozial belasteten Familien.

Methoden:

Unaufwändige, systematische Erhebung von Risikoindkatoren rund um die Geburt (Screening) bei allen Schwangeren. Bei erhöhtem Score erfolgt eine Intervention durch ein niedrigschwelliges, individuelles Beratungs- und Überleitungs-(Lotsen-)Angebot. Nachsorgegespräche 3 – 4 Wochen und 3 – 4 Monate nach der Geburt sichern den Erfolg. Die Wirkung wird bei einem Teilkollektiv in einer prospektiven, randomisiert und kontrollierten Studie mittels Nachuntersuchung der Elterlich/mütterlichen und kindlichen körperlichen und psychosozialen Gesundheit erhoben.

Ergebnisse:

Das Babylotsenteam (Hebammen, Ärzte/Ärztinnen, SozialarbeiterInnen decken psychosoziale Nöte systematisch auf und sorgen bei Bedarf für Unterstützung, so dass die Überforderung der Eltern, mit den bekannten Folgen meist rechtzeitig aufgefangen werden kann. Von solchen schwerwiegenden Belastungen sind 20 – 30% der Familien betroffen. Die Mütter/Eltern der interventionsgruppe (N = 225) erweisen sich bei der Nachuntersuchung nach einem Jahr gegenüber einer Kontrollgruppe ohne diese Intervention (N = 153) in ihrer Elternkompetenz signifikant gestärkt fühlen und seltener unter postpartaler Depression leiden.