Geburtshilfe Frauenheilkd 2018; 78(10): 163
DOI: 10.1055/s-0038-1671244
Poster
Donnerstag, 01.11.2018
Case-Report III
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Konservatives Management eines Nabelschnurvorfalls vor Erreichen eines lebensfähigen Gestationsalters

L Haunold
1  Kepler Universitätsklinikum, Johannes Kepler Universität Linz, Klinik für Gynäkologie, Geburtshilfe und Gynäkologische Endokrinologie, Linz, Österreich
,
R Mayer
1  Kepler Universitätsklinikum, Johannes Kepler Universität Linz, Klinik für Gynäkologie, Geburtshilfe und Gynäkologische Endokrinologie, Linz, Österreich
,
P Oppelt
1  Kepler Universitätsklinikum, Johannes Kepler Universität Linz, Klinik für Gynäkologie, Geburtshilfe und Gynäkologische Endokrinologie, Linz, Österreich
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Publication History

Publication Date:
20 September 2018 (online)

 

Zielsetzung:

Ein Nabelschnurvorfall stellt eine schwerwiegende Komplikation in der Geburtshilfe mit hohem Risiko für fetale Asphyxie und intrauterinen Fruchttod dar. Bisher wurden nur 3 Fälle von Lebendgeburten nach Nabelschnurvorfall vor der 24. Schwangerschaftswoche beschrieben. Die Dauer bis zur Entbindung betrug 3,5 Tage, 7 Tage beziehungsweise 3 Wochen. Eines der Neugeborenen verstarb 10 Stunden postpartal, 2 wurden nach mehrmonatigen Aufenthalten auf der neonatologischen Intensivstation entlassen. Daten über das Langzeit-Outcome fehlen.

Ist ein konservatives Management bei Nabelschnurvorfall vor der vollendeten 24. Schwangerschaftswoche zu empfehlen?

Methoden:

Retrospektive Fallanalyse.

Ergebnisse:

Eine 34-Jährige I. Gravida stellt sich in der 23+1. Schwangerschaftswoche mit einer anamnestisch überperiodenstarken vaginalen Blutung erstmals an unserer Klinik vor. Klinisch zeigen sich blutig-wässrige Abgänge. Es zeigt sich ein Nabelschnurvorfall, welcher bis 2,5 cm vor den Introitus reicht. Sonographisch zeigt sich eine vitale Einlingsschwangerschaft bei Beckenendlage, Anhydramnion und fetalem Schätzgewicht von 612 Gramm, sowie unauffälligem Doppler der Arteria Umbilicalis. In Absprache mit den Neonatologen und nach ausführlicher interdisziplinärer Aufklärung wird eine antibiotische Therapie und Tokolyse mit Atosiban etabliert. Als Procedere wird ein konservatives Vorgehen bis zum Erreichen der SSW 24+0, mit anschließend geplanter Sectio Caesarea vereinbart. In der SSW 23+5 werden die Lungenreifeinduktion und Neuroprotetktion gestartet und unauffällige Doppler und CTG-Kontrollen durchgeführt. In der SSW 24+3 wird eine Sectio Cesarea durchgeführt. Nach 5 minütiger Reanimation wird das Kind auf die Intensivstation verlegt, wo es bedauerlicherweise am 5. Lebenstag aufgrund der extremen Frühgeburtlichkeit verstirbt.

Zusammenfassung:

Nach entsprechender Aufklärung kann ein konservatives Management bei Nabelschnurvorfall bis zum Erreichen eines lebensfähigen Gestationsalters in Erwägung gezogen werden.