Geburtshilfe Frauenheilkd 2018; 78(10): 171
DOI: 10.1055/s-0038-1671268
Poster
Donnerstag, 01.11.2018
Case-Report V
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Fallbericht – Uterustorsion im 2. Trimenon bei Uterus duplex

R Caspers
1  Uniklinik RWTH Aachen, Frauenheilkunde, Aachen, Deutschland
,
S Iborra
1  Uniklinik RWTH Aachen, Frauenheilkunde, Aachen, Deutschland
,
E Stickeler
1  Uniklinik RWTH Aachen, Frauenheilkunde, Aachen, Deutschland
› Author Affiliations
Further Information

Publication History

Publication Date:
20 September 2018 (online)

 

Die Erstgravida wurde in der 26+1. SSW bei stärksten Unterbauchschmerzen vorstellig.

Bei Aufnahme präsentierte die Patientin ein akutes Abdomen mit positivem Schockindex. Es zeigte sich eine fetale Bradykardie, sodass die Indikation zur Notsectio gestellt wurde.

Intraoperativ zeigte sich im linken Becken ein kleiner vitaler Uterus, in dem sich der Fetus nicht befand. Im rechten Becken zeigte sich ein größerer livide verfärbter zweiter Uterus. Eröffnung per Uterotomie und Entwicklung eines unreifen Neugeborenes. Anschließend stellte sich folgender Situs dar: Uterus duplex mit Torsion des kindstragenden rechten Uterus um 180 °. Nach Detorquierung konnte der Eingriff organerhaltend beendet werden (Abb. 2).

Das Neugeborene war unmittelbar nach der Entbindung bei schwerer fetaler Asphyxie und Frühgeburtlichkeit reanimations- und intubationspflichtig (NapH 6,78, APGAR 0/0/0, 1100 g) und verstarb am 4. Lebenstag.

Eine Uterustorsion in der Schwangerschaft ist äußerst selten und geht mit einer fetalen Mortalität von 18% einher. Sie wird definiert als eine Rotation um die Längsachse über 45 ° bis 180 °-360 °. Die Klinik ist unspezifisch. Sie variiert zwischen Symptomlosigkeit bis hin zu akutem Abdomen. Risikofaktoren scheinen Lageanomalien des Fetus, Myome, Ovarialzysten oder Uterusanomalien zu sein. Uterusduplikationsanomalien sind neben der Uterustorsion mit einer erhöhten Infertilitäts- und Abortrate assoziiert. Ebenfalls sind intrauterine Fruchttode, Plazentalösungen, fetale Wachstumsretardierungen und Distress häufiger.

Eine Uterustorsion in der Schwangerschaft ist ein lebensbedrohlicher Notfall für Mutter und Kind. Dabei hängt die maternale und perinatale Mortalität vom Gestationsalter sowie Schweregrad und Dauer der Torsion ab. Bei akutem Abdomen sollte eine Uterustorsion nicht ausgeschlossen werden, auch wenn die vorzeitige Plazentalösung eine der wichtigsten und weitaus häufigeren Differentialdiagnose darstellt.