Geburtshilfe Frauenheilkd 2018; 78(10): 171
DOI: 10.1055/s-0038-1671269
Poster
Donnerstag, 01.11.2018
Case-Report V
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Fallbericht: monochoriale Geminigravidität mit TRAP-Sequenz

A Oettel
1  Universitätsklinik für Frauenheilkunde, Geburtshilfe und Reproduktionsmedizin, Magdeburg, Deutschland
,
SD Costa
1  Universitätsklinik für Frauenheilkunde, Geburtshilfe und Reproduktionsmedizin, Magdeburg, Deutschland
,
K Wollschlaeger
1  Universitätsklinik für Frauenheilkunde, Geburtshilfe und Reproduktionsmedizin, Magdeburg, Deutschland
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Publication History

Publication Date:
20 September 2018 (online)

 

Hintergrund:

Bei monochorialen Gemini kann es durch Gefäßanastomosen innerhalb der gemeinsamen Plazenta zu schwerwiegenden Komplikationen kommen, am häufigsten zum fetofetalen Transfusionssyndrom. Eine seltene Unterform dessen ist die TRAP-Sequenz (Twin Reversed Arterial Perfusion). Dabei sind bei einem Geminus Herz und Kopf missgebildet oder fehlen vollständig. Durch große arterio-arterielle Anastomosen in der Plazenta wird dieser fehlgebildete Geminus durch den Blutkreislauf des gesunden Geminus mitversorgt.

Fallbericht:

Eine 39-jährige Patientin mit monochorial-diamnioter Geminigravidität wurde bei TRAP-Sequenz erstmals in der 29/1 SSW in unserer Intensivschwangerenberatung vorgestellt. Bei der frühen Feindiagnostik in der 12. SSW zeigte sich bei einem Geminus keine Herzaktion. In den Kontrolluntersuchungen konnte ein Wachstum dieses Feten festgestellt werden. Der gesunde Geminus entwickelte sich zeitgerecht. Aktuell befindet sich die Patientin in der 31. SSW. Die Vorstellung in einem Zentrum für fetomaternale Medizin zur Unterbindung des Anastomosengefäßes ist für Ende Juni 2018 geplant. Über den weiteren Verlauf und den Ausgang der Schwangerschaft kann erst später berichtet werden.

Diskussion:

Bei der sog. TRAP-Sequenz versorgt der gesunde Geminus mit seinem Herz-Kreislauf-System sich selbst und den fehlgebildeten Geminus. Dadurch besteht ein hohes Risiko für Herzinsuffizienz und intrauterinen Fruchttod. Eine frühzeitige Diagnose und die Unterbindung des Anastomosengefäßes sind für die weitere Entwicklung des gesunden Feten entscheidend.

Zusammenfassung:

Monochoriale Geminigraviditäten zählen zu den Hochrisikoschwangerschaften und rechtfertigen engmaschige Sonografiekontrollen. Die TRAP-Sequenz geht mit einer erhöhten Morbidität und Mortalität für den gesunden Feten einher. Invasive Maßnahmen zur Anastomosenunterbindung stellen die einzige Therapieoption dar.