Geburtshilfe Frauenheilkd 2018; 78(10): 172
DOI: 10.1055/s-0038-1671271
Poster
Donnerstag, 01.11.2018
Case-Report V
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

„Sekundäre Präeklampsie“: Fallbericht eine atypische Präsentation

K Kraft
1  Universitätsklinikum Ulm, Frauenklinik, Ulm, Deutschland
,
A Handke-Vesely
1  Universitätsklinikum Ulm, Frauenklinik, Ulm, Deutschland
,
D Stuck
1  Universitätsklinikum Ulm, Frauenklinik, Ulm, Deutschland
,
E Bauer
1  Universitätsklinikum Ulm, Frauenklinik, Ulm, Deutschland
,
B Hüner
1  Universitätsklinikum Ulm, Frauenklinik, Ulm, Deutschland
,
W Janni
1  Universitätsklinikum Ulm, Frauenklinik, Ulm, Deutschland
,
F Reister
1  Universitätsklinikum Ulm, Frauenklinik, Ulm, Deutschland
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Further Information

Publication History

Publication Date:
20 September 2018 (online)

 

Case-Report:

Eine 25-jährige IG 0P wurde in der 22+5 SSW bei hypertoner Entgleisung aufgenommen. Der Blutdruck betrug bei beschwerdefreier Patientin im Mittel 200/100 mmHg, Leberwerte und Thrombozyten unauffällig. Die Schwangerschaft war zeitgerecht entwickelt, mit unauffälligen utero- und fetoplacentaren Dopplerflüssen. Trotz ausgereizter antihypertensiver Therapie sank der Blutdruck nicht unter 190/100 mmHg. Eine Nierenarterienstenose wurde ausgeschlossen. Im MRT zeigten sich auf Nebennierenrindenadenome verdächtige Veränderungen. Der V.a. Cushing-Syndrom erhärtete sich durch einen erhöhten Renin/Aldosteron-Quotienten und den Nachweis von 3-fach über der Norm erhöhten, auch im Dexamethasonhemmtest nicht supprimierbaren Cortisol-Werten. Unter einer Therapie mit Spironolacton und Metyrapon besserten sich die Blutdruckwert. Der PLGF/s-FLT-Quotient und die Thrombozytenwerte (die beide intermittierend abnormal waren) stabilisierten sich. Mit 26+0 SSW stellten wir bei pathologischen fetalen Dopplern mit Nullfluss in der Umbilicalarterie sowie nur noch knapp positiver A-Welle im Ductus Venosus die Indikation zur Sectio aus fetaler Indikation. Aufgrund des Hypercortisolismus der Mutter verzichteten wir auf eine Lungenreifeinduktion. Postnatal fanden sich beim Neugeborenen deutlich erhöhte Cortisolspiegel sowie eine Hypoglykämie und Hypernatriämie. Ein Atemnotsyndrom wurde erfolgreich mit Surfactant und Hydrocortison behandelt. Es traten keine relevanten postnatalen Komplikationen auf. Bei der Mutter ließen sich postpartal die Medikamente rasch reduzieren. Derzeit läuft die weitere Abklärung und endgültige Therapieplanung in der Endokrinologie.

Zusammenfassung:

Der durch den Hypercortisolismus verursachte Hypertonus kann placentale Veränderungen verursachen, die letztlich einer 'sekundären Präeklampsie' mit Placentainsuffizienz gleichen. Unverzügliche Diagnostik und Therapie sind integral für einen erfolgreichen Schwangerschaftsausgang.