Geburtshilfe Frauenheilkd 2018; 78(10): 204
DOI: 10.1055/s-0038-1671372
Poster
Freitag, 02.11.2018
Konservative Gynäkologie/Übergreifende Themen II
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Sexuelle Dysfunktion und Depression bei M. Behcet – Gibt es Unterschiede bezüglich der Herkunft der Patienten?

M Henes
1  Department für Frauengesundheit, Universitätsklinikum Tübingen, Tübingen, Deutschland
,
K Rall
1  Department für Frauengesundheit, Universitätsklinikum Tübingen, Tübingen, Deutschland
,
T Xenitidis
2  Zentrum für Interdisziplinäre Klinische Immunologie, Rheumatologie und Autoimmunerkrankungen (INDIRA), Tübingen, Deutschland
,
J Henes
2  Zentrum für Interdisziplinäre Klinische Immunologie, Rheumatologie und Autoimmunerkrankungen (INDIRA), Tübingen, Deutschland
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Publication History

Publication Date:
20 September 2018 (online)

 

Hintergrund:

Der M. Behcet (MB) ist eine systemische Vaskulitis und ist charakterisiert durch einen schubförmigen Verlauf mit Manifestationen an verschiedenen Organsystemen. Hauptmanifestationen sind wiederkehrende schwere, orale und genitale Aphten. MB kommt bei Menschen aus dem mittleren Osten deutlich häufiger vor als in Mitteleuropa. Ziel dieser Arbeit war es die Häufigkeiten der sexuellen Dysfunktion (SDF) und Depression bei diesen Patienten zu evaluieren und nach Unterschieden in Bezug auf die Herkunft der Patienten zu suchen.

Methoden:

In diese monozentrische Arbeit wurden 106 Behcet Patienten eingeschlossen. Zur Erfassung der SDF wurden die validierten Fragenbögen „InternationalIndex of Erectile Function (IIEF)” und „Female Sexual Function Index (FSFI)” und für die Depression der Becks Depression Inventory (BDI) benutzt.

Ergebnisse:

Das mittlere Alter unserer Kohorte lag bei 40,5 Jahren. Genitale Ulzerationen traten bei 73,6% unserer Patienten auf. Die Hälfte der Patienten kam aus Ländern des mittleren Ostens und die andere Hälfte waren Kaukasier. Eine SDF fand sich bei 24,5% aller Patienten. Bei den Männern waren nur 6,9% betroffen wohingegen 50% der Frauen unter einer SDF litten (p < 0,001). Die Prävalenz der SDF war bei Frauen aus dem Mittleren Osten signifikant höher als bei Patientinnen mit kaukasischer Herkunft (75% vs. 33,3%; p = 0,024). Eine Depression fand sich bei 36,7% aller Patienten. SDF und Depression korrelierten sowohl bei Männern (p = 0,017) als auch Frauen (p = 0,013) positiv.

Schlussfolgerung:

SDF und Depressionen sind häufige und oft wenig beachtete Probleme bei Patienten mit MB und verstärken sich gegenseitig. Behandelnde Ärzte sollten auch diesen Aspekt der Erkrankung berücksichtigen.