Geburtshilfe Frauenheilkd 2018; 78(10): 205
DOI: 10.1055/s-0038-1671374
Poster
Freitag, 02.11.2018
Konservative Gynäkologie/Übergreifende Themen II
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Einflussfaktoren auf die patientenseitige Dringlichkeitseinschätzung – erste Ergebnisse einer prospektiven vergleichenden Querschnittsanalyse in drei Berliner gynäkologischen und internistischen Kliniknotfallambulanzen

S Schwachenwalde
1  Charité Universitätsmedizin Berlin, Klinik für Gynäkologie mit Zentrum für onkologische Chirurgie (CVK), Berlin, Deutschland
,
O Sauzet
2  Universität Bielefeld, Fakultät für Gesundheitswissenschaften, Bielefeld, Deutschland
,
T Zahn
3  bbw Hochschule – University of Applied Sciences, Berlin, Deutschland
,
O Razum
2  Universität Bielefeld, Fakultät für Gesundheitswissenschaften, Bielefeld, Deutschland
,
J Sehouli
1  Charité Universitätsmedizin Berlin, Klinik für Gynäkologie mit Zentrum für onkologische Chirurgie (CVK), Berlin, Deutschland
,
M David
1  Charité Universitätsmedizin Berlin, Klinik für Gynäkologie mit Zentrum für onkologische Chirurgie (CVK), Berlin, Deutschland
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Publication History

Publication Date:
20 September 2018 (online)

 

Fragestellung:

Gibt es Unterschiede in subjektiver Dringlichkeitseinschätzung und des Zeitpunktes der Inanspruchnahme von Kliniknotfallambulanzen (KNA) zwischen Menschen mit und ohne Migrationshintergrund (MH)? Wie unterscheidet sich das Inanspruchnahmeverhalten zwischen der ersten und zweiten Migrationsgeneration?

Methoden:

Prospektive vergleichende Querschnittsanalyse in drei gynäkologischen und internistischen KNA von 07/2017 bis 02/2018. Die Primärdatenerhebung erfolgte als standardisierte, ca. 30-minütige Leitfadeninterviews auf Grundlage eines mehrseitigen Fragebogens. Die Dringlichkeitseinschätzung wurde auf einer Skala von 0 – 10 quantifiziert. Es erfolgte eine deskriptive statistische Auswertung mit Stata.

Ergebnisse:

Es liegen Daten von 1.254 Patientinnen und Patienten vor (mit MH n = 528; ohne MH n = 726). Die Dringlichkeitseinschätzung war am höchsten bei den selbst zugewanderten Studienteilnehmenden (Mittelwert 7,2 von 10 vs. 6,8 Personen der zweiten Generation vs. 6,6 ohne MH). 37,1% der Menschen mit MH gegenüber 44,9% jener ohne MH suchten die KNA trotz eigener niedriger bis mittlerer Dringlichkeitseinschätzung auf (Werte 0 – 5/10). Befragte mit MH suchten zu 20,2% nach Stunden (ohne MH 22,5%), zu 40,4% nach Tagen (ohne MH 37,8%) und zu 39,4% nach Wochen (ohne MH 39,7%) ab Beschwerdebeginn die NA auf. 43,2% der Menschen erster Migrationsgeneration warteten Wochen bis zum Aufsuchen einer KNA, der Anteil in der zweiten Generation lag bei 31,3%.

Zusammenfassung:

Menschen mit MH der ersten Generation zeigten die höchste Dringlichkeitseinschätzung bei zugleich spätestem Zeitpunkt der Inanspruchnahme (Zeit zwischen Symptombeginn und Aufsuchen der KNA). Menschen ohne MH zeigten zu einem höheren Anteil Inanspruchnahme trotz relativ niedriger eigener Dinglichkeitseinschätzung. Um in Zukunft eine bedarfsgerechte Gesundheitsversorgung zu sichern, sollte das unterschiedliche KNA-Inanspruchnahmeverhalten verschiedener Patientengruppen in der Versorgungsplanung stärker berücksichtigt werden.