Geburtshilfe Frauenheilkd 2018; 78(10): 219
DOI: 10.1055/s-0038-1671418
Poster
Freitag, 02.11.2018
Operative Gynäkologie, Urogynäkologie IV
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Die vaginale Tamponade Mythos oder Medizinische Notwendigkeit

M Szakács
1  Vivantes Humboldt-Klinikum, Kontinenz- und Beckenboden-Zentrum, Berlin, Deutschland
,
B Farkas
1  Vivantes Humboldt-Klinikum, Kontinenz- und Beckenboden-Zentrum, Berlin, Deutschland
,
C Göpel
1  Vivantes Humboldt-Klinikum, Kontinenz- und Beckenboden-Zentrum, Berlin, Deutschland
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Publication History

Publication Date:
20 September 2018 (online)

 

Zielsetzung:

Nach transvaginalen Eingriffen wird vor allem in der Urogynäkologie oft eine vaginale Tamponade gelegt. Sie soll eine Hämatomentwicklung verringern sowie eine verbesserte Wundheilung und gute plastische Ergebnisse bewirken.

Obwohl dieses Vorgehen kaum hinterfragt wird, liegen aussagekräftige Studienergebnisse nicht vor.

Wie untersuchten retrospektiv Patientinnen nach transvaginalen Senkungseingriffen, welchen entweder postoperativ eine vaginale Tamponade oder keine gelegt wurde.

Material und Methoden:

Insgesamt wurde 151 Frauen nachbeobachtet. 71 Patientin erhielten nach vaginalen Eingriff (18 vaginale Plastik, 2 x vaginale Hysterektomie, 19 sacrospinale Ligamentfixation mit vaginaler Plastik und 29 eine transvaginale Netzeinlage (21 anterior, 8 posterior) eine vaginale Tamponade.

80 Patientinnen (21 x vaginale Plastik, 24 sakrospinale Ligamentfixationen mit vaginaler Plastik und 55 eine transvaginale Netzeinlage (49 anterior, 6 posterior) erhielten keine Tamponade.

Der intraoperative Blutverlust war mit durchschnittlich 20 – 250 ml identisch in beiden untersuchten Gruppen.

Die Untersuchung bezog sich auf den Schmerzmittelverbauch, Hb-Abfall und den POP-Q (C, Ba und Ba).

Ergebnisse:

Der Hb-Abfall (je ein Hämatom in beiden Gruppen) und die Stadieneinteilung des POP-Q unmittelbar postoperativ unterschieden sich nicht signifikant.

Dagegen fiel ein deutlich höherer postoperativer Schmerzmittelverbrauch auf sowie häufigere Visiten postoperativ aufgrund von den Patientinnen geäußerten Unterbauchbeschwerden einhergehend mit medizinischen Maßnahmen (z.B. Lockerung der Tamponade oder eine Sonografie zum Ausschluss eines Hämatoms bei anhaltenden Beschwerden).

Diskussion:

Eine routinemäßige Anlage einer vaginalen Tamponade nach beckenbodenchirugischen Eingriffen kann aus unserer Sicht nicht mehr empfohlen werden. Der geringere Schmerzmittelverbrauch bei Patientinnen ohne Tamponade ist signifikant, der Hb-Abfall unterschied sich nicht in beiden Gruppen. Langzeitdaten bezüglich des plastischen Ergebnisses werden folgen.